Stephenie Meyer: Seelen

Dieses Buch hatte ich bereits einige Zeit im Geiste vorgemerkt. Als ich den 900-Seiten-Wälzer dann im Sonderangebot für 3,-€ sah, griff ich zu. Nun dauert es bei mir immer ein Weilchen, bis ich so einen dicken Schinken vom SuB zum cr befördere, weil es ja wohlweislich eine ganze Weile dauert, die 900 Seiten zu lesen. Mein Buch enthält nach der 850. Seite Bonusmaterial, und zwar: 1. ein zusätzliches Kapitel, das Meyer als „Vielleicht“ für die Verfilmung geschrieben hat; 2. ein Interview mit Meyer zu diesem Werk und 3. Meyers kommentierte Playlist, mit der Musik, die die im Schaffensprozess gehört hat.
Seelen ist laut Meyers eigener Aussage nur ein halber Science-Fiction, weil einerseits Außerirdische, nämlich die Seelen, die Erde besiedeln, aber andererseits die Erde, konkret die USA, Schauplatz der Handlung ist und es überwiegend um die Natur und Eigenarten der Spezie Mensch geht.
Seelen sind friedliche, harmoniesüchtige Wesen, die einen Körper zum Überleben benötigen. Auf der Erde übernehmen die Seelen Körper von Menschen als Wirt. Auf anderen Planeten nutzen sie Blumen, Fledermäuse, Seetang… als Wirtskörper, auf der Erde sind es die Menschen. Wie die Okkupation genau funktioniert werde ich hier nicht erläutern. Die Menschen sind vom Aussterben bedroht. Einige kleine Gruppen konnten sich vor den Seelen und der Übernahme verstecken. Im Fall unserer Hauptpersonen leistet Melanie geistigen Widerstand gegen die Seele, namens Wanda. Es sind also zwei Persönlichkeiten in Melanies Körper. Die Wanda bewegt den Körper und trifft Entscheidungen, baut aber auf Melanies Erinnerung und den damit verknüpften Emotionen auf. Zwar hat die Seele auch eigene Erinnerungen, nicht aber von der Erde oder gar aus der Menschenwelt. Beide sehen durch die selben Augen, riechen mit der selbrn Nase. So entwickelt sich eine ganz interessante story, von der ich hier nicht viel mehr verraten möchte.

Mein Leseerlebnis war gut. Ich habe den Roman von Anfang bis Ende als interessant empfunden. Gefehlt hat mir Spannung und ich fand das Buch leider an keiner Stelle so ergreifend, dass ich es nicht mehr aus der Hand legen wollte. Meyer hat einen einfachen, aber niveauvollen Schreibstil, so dass ich zügig lesen konnte. Sie beschreibt alles sehr genau, labert aber nicht. Das o.g. Bonusmaterial hat mir auch gut gefallen. Alles in Allem fand ich „Seelen“ gut aber nicht sehr gut.

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Wie der Wind verloren ging

​Nina Leisten : Wie der Wind verloren ging
Dieses Buch ist die Fortsetzung von, meinem zuletzt rezensierten Fantasyroman, „Wie der Wind die Liebe fand“, und hat nur 2-3,-€ gekostet. Wie in der letzten Rezension berichtet, hatte ich den 2. Band vorschnell bestellt, aber gelesen habe ich ihn trotzdem. Wieder geht es um die Lovestory von Lilou und Ford. Beide entwickeln sich weiter, so dass Ford nicht mehr 100% von Lilous Gedanken ausfüllt. Wie auch im 2. Teil von Band 1 steht es phasenweise schlecht um die Liebe von Lilou und Ford. Daher macht Lilou eine schwere Zeit durch und ist dementsprechend viel ernster und wirkt erwachsener, als wir sie bisher kennen. Dennoch sind auch in diesem Band die meisten Charaktere sympathisch. Ebenso unverändert ist Leistens frische, lockere Art, ihre ProtagonistInnen miteinander umgehen zu lassen. Das ist einfach schön zu lesen.

In einem anderen Handlungsstrang wird die Sache um die Nebelläufer weiter verfolgt und eine völlig neue Perspektive im Umgang mit den Phänomenen der Parallelwelt eröffnet, womit die story eine unerwartete Wendung nimmt. Diese Idee, der Handlung mitten im 2. Band, nochmal eine neue Richtung zu geben, ist mir zwar einerseits sehr aufgefallen, aber andererseits wurde der Roman dadurch wieder interessant. Ich hatte mich nämlich vorher etwas gelangweilt.
Das größte Manko ist für mich, dass der zweite Band nicht auf dem ersten aufbaut. Um nicht zu viel zu verraten, schreibe ich hier nur: Es ist in den ersten 27% / 79 Seiten als hätte es das Ende des ersten Bands nie gegeben. Dann aber wiederholt Leisten von S.79 / 27% – S. 84 / 29% das Ende des ersten Bands. Warum auch immer die Autorin es für nötig befand, uns so viele Seiten noch ein zweites mal lesen zu lassen, baut sie anschließend trotzdem nicht darauf auf. Entweder ist ihr Plott so hoch kompliziert, dass ich ihn nicht durchschaue oder sie hat schlicht und ergreifend Probleme mit der logischen Stringenz. Aber ob nun so oder so, ist es für mich ein dicker Minuspunkt.
Genervt hat mich in diesem Band auch das Hin- und Hergespringe durch die Zeiten, durch Lilous verschiedene Leben, zumal in Lilous Träumen und Hypnosesitzungen im Jahr 2006 auch immer wieder ein lange vergangenes Leben, im 16. Jhd., thematisiert wird. Mein Lob sowie meine Kritik an Lilous Sexualität trifft hier ebenso zu wie auf den erste Band, weshalb ihr sie in meiner letzten Rezension lesen könnt. Ich denke, wenn Band 1+2 ein Buch wären, hätte es mir etwas besser gefallen. Im Endeffekt werde ich den dritten Band nicht mehr lesen und zukünftig immer erst Band 1 komplett lesen, bevor ich die Fortsetzung kaufe.

Wie der Wind die Liebe fand

​Nina Leisten : Wie der Wind die Liebe fand

Das Buch wurde (mehrfach) empfohlen, – leider weiss ich nicht mehr wo und von wem – hat auch auf amazon überwiegend gute Kritiken und ich bin eine Anhängerin davon, Selfpublisher zu unterstützen. Nina Leistens Grundgedanken zu dieser story mochte ich auf Anhieb. Es gibt eine Parallelwelt zu der uns bekannten Menschenwelt, ein Leben nach dem Tod, einen Sinn des Lebens und die immer wiederkehrende Frage „Was wäre wenn…?“. Die Seele wird in einen Menschen hineingeboren und muss in jedem Menschenleben eine Bestimmung erfüllen. Das Schicksal führt den Seelen immer wieder den Sinn ihres Lebens vor Augen. Wenn diese Lebensaufgabe erledigt ist, sterben die Seelen mit dem Menschen eines natürlichen Todes, werden wieder in einen Menschen hineingeboren und müssen wieder eine Bestimmung erfüllen. … Das ist der (Kreis-)Lauf des Lebens. Wenn die Seele durch einen unnatürlichen Tod zu früh gestorben ist, bevor sie ihrer Bestimmung nachkommen konnte, landet sie in einer Parallelwelt, der Seelenwelt. Dort haben die Seelen durch ein kompliziertes Verfahren die Möglichkeit, Informationen über ihre Bestimmung zu erhalten. Es gibt auch bestimmte Möglichkeiten, die versäumte Erfüllung der Bestimmung nachzuholen und dadurch wieder in den Kreislauf des Lebens zurückzukehren. Wie das genau funktioniert, ist mir hier zu kompliziert zu erklären, zumal ich auch nicht zu viel spoilern will.
Die Hauptperson, Lilou, ist eine tausendjährige Seele, die in ihrem letzten Leben leider so früh gestorben, dass sie kaum eine Chance hat, herauszufinden, was ihre Bestimmung war/ist. Daher hängt sie seit knapp 20 Jahren in der Parallelwelt fest.
In einem zweiten Handlungsstrang wird es romantisch und erotisch. Irgendetwas läuft zwischen der Menschen- und der Seelenwelt schief oder zumindest zwischen zwei Personen – einem Menschen, namens Ford und der Seele, Lilou. Kein Mensch kann eine Seele sehen, ausser Ford. Die beiden ungleichen ProtagonistInnen verlieben sich ineinander. Aber es gibt auch Gegner dieser Romanze – Mächte, die versuchen den Fehler zu korrigieren. Lilou will um ihre Liebe kämpfen… Aber ist sie nicht von vornherein zum Scheitern verurteilt?
Mir hat die Art, wie Leisten ihre ProtagonistInnen miteinander umgehen lässt sehr gut gefallen. Zum einen fand ich die meisten Charaktere sympathisch und zum anderen sprachen mich die Interaktionen sehr an. Da war ich, als lesende Zuschauerin, einfach gerne dabei. Dementsprechend war ich eine zeitlang sehr überzeugt von dieser Story und habe – vorschnell – den sehr niedrigpreisigen Band 2, „Wie der Wind verloren ging“, bestellt. Auch gefallen hat mir, dass Lilou eine sehr aktive und starke Sexualität zugeschrieben bekommt, weil dies bei Frauen leider immer noch höchst selten der Fall ist. Sie äussert oft ein starkes Begehren, fordert den Sex aktiv ein und genießt ihn sehr. Hier dann auch der eindeutige Hinweis auf Erotik, die den Roman zu einem Erwachsenen-Roman macht.
Kritik:
Nicht gefallen hat mir die masochistische bis devote Art Lilous beim Sex. Unglaublich bis unrealistisch, aber vor allem sind einige Sexszenen unangenehm zu lesen, so dass mir manchmal direkt anders wurde.
Ebenfalls nicht gefallen hat mir Lilous Brief-Tagebuch für Ford, weil ich es als infantil bis peinlich empfunden habe.
Eindeutig missfallen hat mir auch das Ende. Zwar tritt nochmal eine überraschende Wende ein, aber damit ist auch ein so extremer Cliffhanger geschaffen, dass von Ende eigentlich nicht die Rede sein kann. Ein offenes Ende an sich ist schon „so eine Sache“, aber dieses Ende ist eher ein abrupter Abbruch. Spätestens jetzt wisst ihr, dass ich umter’m Strich doch nicht so angetan oder wenigstens zufrieden mit dem Roman bin, und ich will euch nicht verheimlichen, dass ich über meinen vorschnellen Kauf des zweiten Bands verärgert war. Von daher auch hier keine Empfehlung. Die Idee und Thematik, das Setting und die Interaktionen sind zwar interessant und schön, aber die weitere Ausführung hat mir nicht so gefallen.

Glücklich ohne Geld

wpid-img_20150125_201314.jpgRaphael Fellmer : Glücklich ohne Geld
Heute möchte ich euch ein besonderes Buch vorstellen. Zum einen handelt es sich um ein wahnsinnig interessantes Thema und zum anderen ist das Buch kostenlos erhältlich.
Es geht hier nicht nur um einen alternativen Lebensentwurf, bzw.- versuch eines extrovertierten Weltverbesserers, sondern um den uns alle betreffenden Themenkomplex von Konsumwahnsinn, Verschwendung, Umweltzerstörung, natürlich auch um Nachhaltigkeit. Wir leben in dieser Welt und benehmen uns, als würden wir den Ast absägen auf dem wir sitzen, als würden wir die Hand beissen, die uns füttert. Das Sachbuch enthält interessante Denkanstöße, Fakten, Erklärungen, Verweise und Reiseberichte.
Raphael Fellmer hat von 2010-2015 im Geld- und Konsumstreik gelebt. In seinem Buch berichtet Fellmer von seinem Leben ohne Geld, wie es täglich abläuft… Ernährung, wohnen, Fortbewegung, Kleidung, reisen. Er reist ohne Geld um die Welt – Holland, Atlantik, Brasilien, Zentralamerika, Mexiko und wieder zurück nach Deutschland. Seine Reisebrichte fand ich extrem interessant. Er hat wirklich interessante Dinge erlebt. Er erklärt auch Einiges, z.B. den ökologischen Fußabdruck als Maßeinheit für Umweltbelastung, von dem ich zuvor noch nichts gehört hatte. Alles, was wir tun, hinterlässt eine Spur; eben den ökologischen Fußabdruck. Es geht ihm darum, bei möglichst vielen Menschen das Bewusstsein für die Zusammenhänge von permanentem Konsum, Verschwendung und Umweltzerstörung zu wecken. Ausserdem wollte er natürlich auch Gleichgesinnte finden. Besonders die Lebensmittelverschwendung stand für ihn im Fokus, weshalb er viel Containern (=Mülltauchen) war und die Organisation foodsharing mit und für LebensmittelretterInnen gegründet und aufgebaut hat. Gemeinsam mit anderen FoodsaverInnen hat er Lebensmittelgeschäfte, Hotels und andere Gastronomen… akquiriert, bei denen übrig gebliebene Lebensmittel vor dem Mülleimer gerettet werden konnten, in dem sie abgeholt wurden. Die LebensmittelretterInnen haben Stützpunkte aufgebaut, die sie Fairteiler nennen, sog öffentliche Kühlschränke, in die abgeholte Lebensmittel gelegt werden, damit wieder andere Leute sich dort bedienen können. Eine sehr empfehlenswerte Sache; schaut euch die Webseite mal an.
Fellmer hat Ende 2015 in seinem Blog berichtet, den Geldstreik zu beenden, weil er keine Wohnung für seine vierköpfige Familie gefunden hat, und ihm die Wohnung und die damit verbundene Ruhe für die Familie wichtiger ist. Aber auch bevor er diesen Post veröffentlichte, war ich der Meinung dass seine Art nicht tragfähig ist. Denn er war immer darauf angewiesen entweder Geschenke zu bekommen oder etwas im Müll zu finden. Stellen wir uns aber mal vor, immer mehr Menschen betreiben diese Art des parasitären Konsumboykotts; dann wird es gleichzeitig immer weniger Menschen geben, die etwas wegwerfen oder verschenken. Spätestens dann muss ein neues Konzept her. Außerdem boykottiert er den Konsum und die Geldwirtschaft nicht wirklich, wenn er sich bei KonsumentInnen „auf die Tasche legt“. Er zahlt zwar kein Geld, wenn er in fremden Autos mitfährt, aber ohne die AutofahrerInnen wäre er auf seinen Reisen nicht weit gekommen und ohne Boote hätte er niemals über den Atlantik geschafft.
Sehr gestört hat mich seine Schreibe. Er hat so eine euphorische Art der Überhöhung, die schon unangenehm religiös anmutet. Für ihn steckt die Welt voller Liebe, voll von dem beachtenswertem Naturwunder der Liebe, für das er zutiefst dankbar ist. Er wird nicht müde, sich immer wieder in euphorischen Schilderungen über die Liebe, sein Glück und seiner Dankbarkeit zu ergehen. Diese Art hat mich extrem gestört und war der Grund, die Lektüre abzubrechen.
Auch einige der Rezensionen bei amazon habe durchgelesen und mich dabei gut amüsiert. Dabei habe ich mit den kritischen Buchrezensionen, die nur einen Stern vergeben haben, begonnen. Ich habe mindestens drei mal laut gelacht, als ich die ersten 10 Beitäge gelesen habe. Hier also mal ganz klar eine Empfehlung der Sekundärliteratur. Aber da das Buch kostenlos downzuloaden ist, könnt ihr es einfach mal anlesen und euch dann eine eigene Meinung bilden. Das schadet ja nicht.

Benjamin Lebert: Crazy

Crazy würde ich als modernen Klassiker bezeichnen, so bekannt scheint der in 32 Sprachen übersetzte Weltbestseller zu sein, und immerhin war er eine zeitlang zur Schullektüre auserkoren. Logisch dass ich das, mit 175 Seiten noch fast ein, Büchlein auch mal lesen wollte. In einem öffentlichen Bücherregal fiel mir das autobiografische Werk dann in die Hände.

Es geht um Benjamin Lebert und seine Zeit im Internat, Neuseelen. (Tatsächlich war er un einem anderen Internat.) Dort findet er Anschluss bei einer Clique aus fünf Jungen, deren Anführer, Janosch, sein Zimmerkollege ist. Alle sechs leiden darunter, im Internat sein zu müssen. Ich glaube sogar jedeR InternatsschülerIn ist unglücklich, dort leben zu müssen. Auch die Jugend, insbesondere die Pubertät, und natürlich das Erwachsenwerden bereitet den Jungen viele Sorgen und nachdenkliche Momente. Das Besondere an dieser Clique ist, dass sie über ihre Sorgen und überhaupt alle wichtigen Fragen des Lebens reden. Obwohl sie Jungs sind, Helden, cool und crazy sein möchten, können sie offen über alles reden. Den Titel „crazy“ hat das Buch aus folgendem Grund: „Zu allen aufregenden Dingen sagte Janosch crazy. Er liebte dieses Wort.“ (S.40) „Ja genau, das ist es – du bist nicht behindert, sondern crazy.“(S.42)
Benjamin Lebert ist tatsächlich behindert. Er leidet an einer 1/2-seitenlähmung (1/2-seitenspasmus links) (S.9), jeden Abend hat er Schmerzen im linken Bein. (S.17) Deswegen hat er schon viel leiden müssen – unter Lehrkörpern und Gleichaltrigen. Auf sozialer Ebene hat er in Neuseelen endlich Glück. Direkt in seiner zweiten Nacht ist er schon, mit seinen Kumpeln, unterwegs zu den Mädchen.(S.49ff) Lebert ist aber nicht nur dabei, sondern wird von einer Mitschülerin entjungfert.(S. 80ff) Diese Buchstelle ist wirklich etwas Besonderes. Ich habe in diesem Roman zum ersten Mal erfahren, wie sich Geschlechtsverkehr aus männlicher Perspektive anfühlt. Ich hatte schon viele Jungen und später Männer danach gefragt, aber bis dato hatte mir niemand erschöpfend Auskunft geben können oder wollen.

Aus den vielen Gesprächen der Jungs, die meiner Meinung nach, neben zwei konkreten Highlights in der Handlung, Leberts Debütroman dominieren, gehen viele interessante, z.T. richtig philosophische Gedanken hervor. Ebenso bringen sie viele (Pseudo-)Weisheiten hervor, z.B. „Titten müsse man sich erarbeiten, sagt Felix. Die bekäme man nicht einfach so in die Hand gedrückt.“ (S.51) und blödeln auch gerne mal ‚rum. Die Offenheit der Jugendlichen und dieses Abgleiten von der Ernsthaftigkeit ins Humoristische macht die Freunde und die Lektüre sehr liebenswert.
Der zweite Höhepunkt im Handlungsstrang ist die Flucht der Clique aus dem Internat, obwohl sie genau wissen, dass sie wieder zurück müssen. „Wieder einmal eine im Grunde sinnlose Aktion. Wieder einmal wir sechs.“ (S.49)

Der Roman liest sich sehr gut und schnell. Wie o.g. fand ich die Protagonisten sehr sympathisch. Ich habe das Buch gerne gelesen und überlege noch, ob ich es weiter gebe oder doch lieber behalten will. Ich würde die Teilbiogafie auch weiter empfehlen, sofern sich noch Leseratten finden, die sie nicht kennen. Allerdings denke ich die Schulen werden (wie immer) alles, was Spass machen oder interessant sein könnte, verdorben haben. Es sieht (im Netz) so aus, als wären die Lehrenden ewig und drei Tage auf dem Thema Behinderung (wegen Bennis 1/2-seitenspasmus) und Rausch / Alkoholkonsum herumgeritten. Als private Leserin erschienen mir, wie ihr bereits gelesen habt, andere Dinge relevant.

Bob, der Streuner

James Bowen & Gary Jenkins: Bob, der Streuner – Die Katze, die mein Leben veränderte.
Originaltitel A Street Cat Named Bob

Auf dieses biografische Buch wurde ich durch eine Empfehlung aufmerksam, und wollte es seitdem lesen. Da ich es nicht zum Originalpreis kaufen wollte, habe ich jedoch eine Weile gebraucht, bis ich es gefunden hatte. In unserer Bibliothek steht es, in der Jugendabteilung, und ist auch als eBook ausleihbar. Erst war ich etwas unsicher, weil „Buch zum Film“ auf dem Cover steht und nicht der Autor, sondern der Schauspieler abgebildet ist. Aber es handelt sich scheinbar lediglich um eine andere Ausgabe und ist das Buch, was ich haben wollte. In der Mitte eine 10-seitige Fotostrecke, mit zwei ganzseitigen und 16 halbseitigen Fotos, auf denen der Schauspieler, Luke Treadaway, zu sehen ist.

Es geht um die Geschichte einer Freundschaft zwischen dem Kater Bob und James Bowen. Der 1979 geborene Bowen war obdachlos, ist drogensüchtig und hat nach langer Wartezeit eine Sozialwohnung in London bezogen. Er hat keinen Schulabschluss, keine Ausbildung, keine Arbeit und hatte überhaupt keine Sinnhaftigkeit in seinem Leben. Etwas Struktur brachte lediglich ein Drogenentzugsprogramm in sein Leben, weil er sich jeden Tag seine Ersatzdroge bei seinem Substitutionsarzt abholen musste. Nachmittags verdiente er sich etwas Geld als Straßenmusiker, was er genauso gut sein lassen konnte, wenn er zu träge war die Wohnung zu verlassen. Er bezeichnet sich selbst als gescheiterten Musiker auf Drogenentzug.(S.8)
Dann fand er Bob! Schon als Kind mochte Bowen Katzen und hatte einige Erfahrungen mit den Samptpfoten. Bob fragte erst herum, ob der Kater jemandem gehört, nahm ihn dann bei sich auf und pflegte ihn gesund. Bob hatte eine „schlimme Bisswunde am Bein“, die bereits eiterte.(S.15f) Als Bob wieder gesund war, wollte Bowen ihn zurück in die Freiheit entlassen, weil er wie ein Streuner wirkte. Bob aber wollte bei Bowen bleiben und Bowen übernahm als Haustierhalter zum ersten mal in seinem Leben Verantwortung. Nun war es nicht mehr egal, ob er sich etwas Geld dazu verdiente, denn der Kater hat auch Hunger und könnte wieder krank werden. „Er hat mich nicht nur dazu gebracht, einen geregelten Tagesablauf einzuhalten und Verantwortung zu übernehmen, sondern auch mich selbst zu hinterfragen.“ (S.103) Bowen fühlte die Verantwortung und dass sie ihm gut tat (ihn „beflügelte“). (S.22)

Bowens Kindheit wird zwar auch beschrieben, aber nur knapp, seine Zeit mit den Drogen und als Obdachloser wird nur am Rande erwähnt, so dass es in dieser Teilbiografie wirklich die gemeinsame Zeit von Bowen und Bob geht. Das Kennenlernen, die Intensivierung der Freundschaft, das Zusammenleben und besondere Erlebnisse. Bowen ist eigentlich nicht der Typ, der ein Buch schreibt, aber in Zusammenarbeit mit seinem Ghostwriter, Gary Jenkins, ist ein sehr schön und einfühlsam geschriebenes Buch entstanden.

Ich habe das Buch gerne gelesen und bin schnell vorwärts gekommen. Der Schreibstil ist einfach, aber niveauvoll, angenehm und einfühlsam. Die Autobiografie berührte meine Emotionen, aber es war nie spannend oder ergreifend, so dass ich sie verschlungen hätte. Ich hatte keine Probleme auch Pausen einzulegen, um zwischendurch etwas Anderes zu lesen.

Eva Völler

Eva Völler : Ich bin alt und brauche das Geld

Diesen Roman habe ich in einem öffentlichen Bücherregal gefunden und zugegriffen, da Eva Völler mich mit „Zeitenzauber“ (insb. Bd. 1) begeistert hat. Allerdings kommt „Ich bin alt und brauche das Geld“ nicht mal ansatzweise an das Niveau und den Unterhaltungswert von „Zeitenzauber“ heran. Vielmehr handelt es sich bei dieser die Romantik-Komödie um extrem leichte Kost, und das schreibe ich nicht nur weil ich zuvor ein Buch über die Arbeit im Hospiz und eines über einen biblischen Mythos gelesen habe. Mehr noch würde ich euch sogar abraten, diese RomKom zu lesen, weil die Handlung nicht nur unrealistisch bis irrwitzig, sondern auch naiv bis unangenehm blöd ist.

Charlotte ist eine 49-jährige, frisch getrennte und zwangsgeräumte Frau, die plötzlich ohne Arbeit, Geld und Wohnung da steht. Einem Heiratsschwindler in die Hände zu fallen, kann passieren, aber die vom Vater geerbte Weinhandlung, die Jahrzehnte Lebensinhalt und -unterhalt bedeutet hat, zu verkaufen um dem Kerl haufenweise Geld borgen zu können, wirkt schon sehr dämlich und etwas unrealistisch. Charlotte kommt erst mal bei einer Freundin unter, auf deren Couch sie sich die Augen aus dem Kopf heult. Weiterhin sehr unrealistisch ist, dass Charlotte trotz Mangel an bezahlbarem Wohnraum in der Innenstadt deutscher Großstädte, der auch erwähnt wird, sehr schnell eine – wenn auch eher schlechte – Wohnung findet. Aber es wird noch unrealistischer und naiver. Die Wohnung in der Frankfurter Innenstadt befindet sich in einem Wohnhaus mit einer traumhaften Mietergemeinschaft. Die Bewohnenden lernen sich unkompliziert kennen, laden sich gegenseitig ein, helfen einander… Das ist aber noch lange nicht der Höhepunkt von Charlottes Heile-Welt-Entwicklung. Auch der Hausbesitzer wohnt dort, ein Drehbuchautor, der sich natürlich in Charlotte verliebt, und als er ihr beim Renovieren hilft, freiwillig ihre Wohnung modernisiert. Und Charlotte? Schon klar, nachdem ein Heiratsschwindler ihr Leben ruiniert hat, verliebt sie sich gleich wieder. Der romantische Handlungsstrang ist nicht nur unrealistisch, sondern auch völlig vorhersehbar und extrem langweilig.

Auch der Haupthandlungsstrang ist an Naivität und Blödheit noch lange nicht am Ende. Trotz ihrer desaströsen Lage geht Charlotte zur Trauerfeier ihres inzwischen verstorbenen Heiratsschwindlers und obwohl sie weiß, dass es bei ihm nichts zu erben gibt, geht sie auch zur Testamentseröffnung. Sie lernt dabei Jennifer, die Tochter ihres Ex und dessen beide Enkel kennen. Eine Kontaktbereitschaft oder -freude, die in dieser Situation nur schwer nachvollziehbar ist, auch wenn Charlotte gelernte Erzieherin ist und die beiden Kinder ziemlich goldig sind. Aber das ist noch nicht alles. Jennifer steht kurz nach der Testamentsverlesung mit ihren Kindern und dem Aupairmädchen vor Charlottes neuer Wohnung, um die ganze Bagage dort abzuladen, da sie verreisen will. Selbstverständlich ist Charlotte nicht nur so blöd, die Wohnungstür zu öffnen, sondern auch noch so beschränkt sich die beide Kinder und das Aupairmädchen aufs Auge drücken zu lassen. Mit dieser Situation ist zwar ein angenehmes Chaos in Charlottes Leben geschaffen, aber wie es dazu kam ist einfach zu bescheuert.

Das Leben von Charlotte, als Oma, mit einem fünfjährigen Mädchen und einem dreijährigen Jungen ist dann aber ziemlich nett und schön beschrieben, so dass dieser Teil des Romans angenehm unterhaltsam ist.

Richtig bescheuert wird es dann noch mal zum Schluss. Jennifer will Charlotte für „ihre Dienste“ bezahlen, wenigstens den Aufwand entschädigen, aber die ehrenwerte und selbstlose Charlotte lehnt jedes Geld ab. Natürlich hat sie inzwischen auch – trotz ihres hohen Alters – eine neue Arbeit gefunden und verdient sehtr gut. Dazu kommt noch ein Nebenhandlungsstrang, in dem es um Geld geht, dass der Heiratsschwindler gebunkert hat. Auch dieses Geld will Charlotte nicht. Sie ist eine Heilige! Ich glaube, jedeR Mensch fasst sich in diesen Situationen nur genervt an den Kopf.

Die Handlung wäre, abgesehen vom angespannten Wohnungsmarkt, zeitlos, hätte Völler Jennifer nicht als Bloggerin entworfen. Somit stellt der Mama-Blog noch einen Nebenhandlungsstrang dar, der aber meiner Meinung nach für die Rezension keiner weiteren Beachtung bedarf. Ich habe diesen Handlungsstrang, über Jennifer, immer als uninteressant und überflüssig empfunden – vermutlich weil sie als Personen nicht wirklich eingeführt wurde.

Von Eva Völler werde ich höchstens noch mal ein Buch lesen, wenn ich zuvor überwiegend sehr gute Kritiken dazu finde. Unglaublich, dass eine Autorin so extreme Schwankungen im Niveau aufweist.