Michael Holzach : Deutschland Umsonst

wpid-img_20150711_175524.jpgMichael Holzach hat Sozialwissenschaften studiert. Er hat als Journalist und später freiberuflicher Autor gearbeitet. Er schrieb für DieZeit über soziale Probleme und Randgruppen. Mit zunehmender Erfahrung entwickelte er Kritik an seiner Arbeitsmethodik, die er in seinem Buch „Deutschland Umsonst“ auf S. 130 folgendermaßen beschreibt: „So schmarotzten wir uns mit unserem „sozial engagierten Journalismus“ durch das Elend der Leute….die Betroffenen blieben dabei fast immer auf der Strecke….“ Deshalb entwickelte er andere Ansätze. Seine Reise, um hinterher dieses Buch zu schreiben, sehe ich als seinen zweiten neuen Ansatz für seine Berichterstattung. Gleichzeitig ist sie als autobiographische Wanderung geplant.
„Umsonst“ ist ein Begriff, den wir vermutlich heute im Sinne von vergebens kritischer nutzen als noch 1982. Im Sinne von gratis / kostenlos war die Wanderung durch die BRD natürlich nicht, denn Holzach hat sich Vieles erbettelt oder als Gegenleistung geholfen. So profitierte er wieder von Menschen, die selbst sehr wenig hatten, z.B. Bauern, Hirten, Roma… Außerdem hat der Schriftsteller soziale Einrichtungen für Obdachlose sowie die Sozialämter in Anspruch genommen. Sein Hund, Feldmann, hat desöfteten Abfälle nach Fressbarem durch schnüffelt. Davon hat der Autor aber nicht mitgegessen, wie wir es heutzutage bei Menschen beobachten. Genau genommen haben selbst die Pilze und Beeren im Wald einen Besitzer. Somit ist die Reportage ein Reisebericht einer Low-Budget-Wanderung mit Unterschichten-Nähe. Ich denke mal für einen Reporter ist es durchaus etwas Besonderes sich monatelang und ohne Rückfahrticket als Mittelloser in den verschiedenen Milieus des einfachen Lebens zu bewegen. Als solcher Wanderbericht kann Holzachs Buch durchaus auf Interesse stoßen, wobei er leider auch immer mehr vom Zahn der Zeit angenagt wird. So gab es inzwischen bereits Bestrebungen, dieses Werk auf die heutige Zeit zu übertragen – mit Couchsurfing über Facebook. Dennoch sehr gut geschrieben, was bei einem renommierten Journalisten nicht anders zu erwarten ist, und ich fand das Buch auch interessant. Im Laufe des Lesens fehlte mir allerdings eine Spannungskurve, denn es reiht sich eine Szene an die andere, ein Tag an den anderen, ein Erlebnis an das nächste….

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s