Theresa Voigt: Von Einer die auszog, um Gutes zu tun

abgebrochen :  Als ich den Buchtitel gelesen hatte war ich Feuer & Flamme. Der Titel sah für mich nach etwas Großartigem aus, wie z.B. Freiwilliges Soziales oder Ökologisches Jahr oder Ärzte ohne Grenzen… Die nähere Beschreibung relativierte das Projekt in meinen Augen schon wieder. Theresa Voigt nahm sich zu Silvester vor, im Jahr 2010 jeden Tag eine gute Tat zu vollbringen und darüber zu bloggen. Nur um zu Bloggen? – oder Bloggen zur öffentlichen Selbstkontrolle? – oder oder? Und was ist eigentlich der tiefere Hintergrund? Sinn? Ziele, Erwartungen und Hoffnungen??? Trotzdem eine schöne Idee, die inspiriert, aber auch polarisiert. Es sind vor einigen Jahren mehrere Gute-Taten-Blogs und -Gruppen enstanden, und vor nicht allzu langer Zeit von einem Startup die Plattform + App „Do me a favor“ . Ich kann mich an eine Art öffentliche Diskussion erinnern, Gemecker in Kolumnen … irgendwie … von Gutmenschen unter Druck gesetzt …
Gleich die erste „gute Tat“ von Voigt befremdete mich sehr, denn sie bot Kuchen-Reste von ihrer privaten Feier auf der Arbeit an. Ich hätte das Retten der Lebensmittel vor dem Mülleimer als gute Tat angesehen, aber das war in ihrem Fall nicht notwendig, denn sie hätte die Reste gut und gerne alleine aufessen können.(S.13) Das Gebäck war also als Spende gedacht und das Wort Spende heißt für mich: adressiert an Bedürftige. Ich nenne es daher einfach spendabel/ spendieren im Sinne von einladen/ „eine Runde schmeissen“ im Unterschied zu Spenden im Sinne von Almosen/ helfen. So gesehen ist die Idee, den KollegInnen Torte anzubieten dann eigentlich doch schön und nett. Aber die Reste??? Da würde ich mich schämen. Ich glaube, für sie war es der Verzicht. Als gute Tat sehe ich die Aktion trotzdem nicht an – egal ob Reste oder frisch. Es folgen noch viele Aktionen, die ich nicht als gute Tat ansehe. Bei einigen Ideen hat 25-Jährige selbst bemerkt, dass sie nicht so gut waren. Z.B. die vierte gute Tat: Voigt kaufte einer Bibliothekarin, die sie gut beraten hatte, eine Bodylotion. Die Reaktion war unangenehm. Voigt hat in einem Einkaufszentrum eine Zeit lang für dessen Kunden die Tür aufgehalten. Mir gefällt die Idee nicht, weil diese Malls für mich kapitalistische Hochburgen sind. Auch wenn das Voigtsche Tür-Aufhalten nur für kurze Zeit war, hat sie eine Serviceleistung, die Aufgabe des Centers wäre, kostenlos übernommen und inspiriert in ihrem Blog und Buch weitere Menschen dazu.
Also was ist eigentlich eine gute Tat?
Voigt definiert eine gute Tat als etwas, das man tut, um anderen eine Freude zu machen, und wenn die Freude ausbleibt, zählt der gute Wille. Ich mag diese Definition nicht, weil mir dazu spontan eine lange Liste mit kontraproduktiven Ideen einfällt. Unvernunft und Misstrauen sind zwei Stichworte, die fast alle meine Gedanken auf dieser mentalen Liste zusammen fassen. Weiter will ich mich an dieser Stelle nicht damit aufhalten. Nur noch, dass ich denke, eine gute Tat sollte helfen / etwas Positives bewirken und dabei auf einem möglichst sicheren Terrain stattfinden, somit also möglichst vielen Eventualitäten ausschließen.
Eigentlich könnte JedeR von uns ein solches Buch schreiben, wenigstens als eBook, damit kein Verlag gebraucht wird. – vielleicht als kostenloses eBook, was mit wattpad noch leichter geht und den Kontakt zu den Lesenden einfach macht. Oder einen Blog schreiben, auf dem jedeR LeserIn / BesucherIn kommentieren kann.
Für mich habe ich jedoch entschieden, dass ich nicht genug Zeit habe ein solches Projekt ordentlich durchzuführen. Aber 3 Dinge habe mir in meinem Alltag vorgenommen fest zu integrieren. 1. Die Haustür aufhalten, auch wenn ein Nachbar noch 20m entfernt ist. 2. Den Fahrstuhl aufhalten, auch wenn ein Nachbar noch am Briefkasten ist und 3. Beim Einkaufen auf den Kunden hinter mir achten und, wenn er nur 1-2 Produkte aufs Laufband legt, den Platz vor mir anbieten. 3 fällt mir am schwersten und danach 1, weil ich manchmal zu eilig oder gedankenverloren unterwegs bin.
In Voigts Blog (365gutetaten.de) könnt ihr heute noch das meiste lesen und auf YouTube ist ein Video, das einen ganz guten Eindruck von der Person vermittelt.

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