Asta Scheib Das Zweite Land

Ich empfehle euch dieses Buch, weil ich es als sehr interessant und sehr berührend empfunden habe. Die meisten von euch kennen vermutlich den Weltbestseller „Anna schreibt an Mister Gott“. Auch das Buch „Das Zweite Land“ ist auch ein solcher Briefroman. Die fünfzehnjährige Leyla Aydin schreibt an Allah, von dem sie annimmt, er sei zu beschäftigt, um zu bemerken was auf der Erde vor sich geht. Sie macht ihn ebenso auf die kleinen Details, wie die Relevanz von Mode, aufmerksam, wie auf das Gebaren der Menschen, z.B. den prügelnden Ehemann ihrer Schulfreundin sowie deren Eltern, die das Mädel in die Ehe zwangen. Es geht aber auch um die großen Dinge ihres Lebens Frieden und Freiheit für ihr Volk, der über vier Länder verteilten Kurden. Diesbezügliche Entscheidungen der Politiker. Leyla ist aus der Türkei geflohen, nachdem ihre Großeltern bei Bombardierungen ihres kurdischen Heimatdorfes durch das türkische Militär starben und diese auch über ihre Eltern und ihren Bruder in der Stadt herfielen. Eine Nachbarin konnte das kurdische Mädchen gerade noch verstecken. Leyla floh gemeinsam mit ihrem erwachsenen Cousin nach Deutschland. In München haben die Beiden Asyl beantragt, leben in einem kleinen Zimmer, ohne Küche, Herd, Kühlschrank, Dusche. Der Cousin ist ihr einziger Verwandter, ihm verdankt sie ihr Leben, aber er überwacht sie auch und lässt sie den ganzen Haushalt erledigen. Leylas Vergangenheit liegt in Scherben hinter ihr und die Zukunft ist nebelige Ungewissheit hinter einer ungastlichen Gegenwart voller menschlicher Kälte und Paragraphen. Die einst unbeschwerte Gymnasiastin und Lehrertochter schildert uns – eigentlich Allah – ihr Leben und ihr Entdecken von Deutschland, speziell München und insbesondere der Hauptschule, die sie im Kleiderkammer-Outfit besuchen muss. In ihrer internationalen Klasse spiegeln sich die politischen und gesellschaftlichen Konflikte wieder. Ausländerfeindlichkeit, Ost-West-Feindlichkeit, Kurdenfeindlichkeit und Inakzeptanz von Seiten der Türken. Nicht zuletzt gibt es noch die – oft verbotene – Liebe. In diesem Buch erfahren wir von ihren Nöten, Verzweiflung, Trauer, Wünschen , Emotionen und Gedanken. Da Leyla eine 15jährige Teenagerin ist und sich ihr Leben viel in der Schule abspielt, ist der Roman in der Jugendliteratur verortet, aber meinet Meinung nach hat Asta Scheib mit diesem Werk viel mehr als einen Roman nur für Jugendliche erschaffen. Sie schreibt direkt in die Herzen von uns Lesenden und vermittelt viel Wissen über das geviertelte, unterdrückte und verleugnete Kurdistan und somit auch einen Blick über den Tellerrand – egal ob jung oder alt.

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