Alfred Andersch: Der Vater eines Mörders.

Der Vater eines Mörders. Eine Schulgeschichte.
Die Erzählung handelt von einer Stunde Griechischunterricht der achten Klasse, im Mai 1928, am Wittelsbacher-Gymnasium, in München. Der Schulleiter, Oberstudiendirektor Himmler, stellt sich zu einer Hospitation im Unterricht ein, übernimmt aber schnell das Kommando. Er prüft und demütigt einzelne Schüler, aber nebenbei auch den Griechisch-Lehrer, vor der Klasse und verhängt sogar Sanktionen. Der Schuldirektor heisst nicht nur Himmler, sondern, ist tatsächlich der Vater von Heinrich, also DEM Himmler. Die politischen Ansichten von Himmler Senior und Junior unterscheiden sich. Das Buch will aber eher aufzeigen, mit welchen abscheulichen pädagogischen Methoden schlechte Menschen, mehr noch Mörder erschaffen werden. Es zeigt meiner Meinung aber auch mit welcher Meinungsverirrung und -verwirrung die jungen Menschen reagieren, die diesem Direktor zum Opfer gefallen sind, was natürlich nicht zuletzt geschieht um das Selbstbewusstsein und Selbstwertgefühl wieder aufzurichten.
Andersch schreibt die autobiografische Schilderung, via dem alter ego Franz Kien. Seine Familie war arm, sein Vater ein Kriegsveteran, der mit dem Eisernen Kreuz als Heldenehrung ausgezeichnet wurde. Aufgrund der Verdienste des Vaters Kien wurde das Schulgeld für Franz erlassen, jedoch wieder auferlegt weil der Schulleiter meinte, Franz hätte nicht genug Interesse und Fleiss.
Warum der Autor sich nicht der Ich-Perspektive bedient, erläutert er im Nachwort. Ebenfalls ist dem Nachwort zu entnehmen, dass er in seinem Buch Episoden aus verschiedenen Unterrichtsstunden in eine einzige Schulstunde komprimiert hat.
Ich habe das Buch erst als Erwachsene gelesen, weil ich es zufällig in einem öffentlichen Bücherregal gefunden habe. Ich fand den Titel interesant und die Lektüre ebenfalls. Es war lange Zeit Pflichtlektüre in den Schulen, so dass die davon betroffenen (ehemaligen) SchülerInnen vermutlich keinen Bock mehr darauf haben. Schade, denn ich fand es wirklich interessant und schnell zu lesen, aber auch interesssant zum Nachdenken. Ich mag es ganz gerne nach dem Zuklappen eines ausgelesenen Buches noch etwas mit den Gedanken dabei zu verweilen. Der positive Nebeneffekt so einer (ehemaligen?) Schullektüre ist, dass massenhaft Exemplare gedruckt wurden und es daher noch lange erhältlich sein wird.

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