Joy Fielding: Lebenslang ist nicht genug

Gail Walton lebt glücklich in zweiter Ehe, hat aus beiden Ehen eine reizende Tochter, um die sie sich gerne kümmert und gibt nebenbei zu Hause Klavierstunden. Punktgenau mit dem Eintreffen der Polizei bei den Waltons zerplatzt das schöne Leben der amerikanischen Familie wie eine Seifenblase. Die kleine Cindy wurde vergewaltigt und getötet. Die Polizei scheint den Kindsmörder nicht zu finden und Gail hat Angst, dass ihre geliebte Tochter als einer von vielen ungelösten Fällen ad acta gelegt wird. Sie beginnt sich für Verbrechen, insb. Pädophilie zu interessieren und sich in die Psyche und die Welt solcher Menschen hineinzudenken, weil sie selbst nach dem Mörder ihrer Tochter suchen will. In diese Mission steigert sie sich immer mehr hinein, bis diese Suche zu ihrem Lebensinhalt zu werden schein. Ihr Mann versucht sie  vergeblich zu einer Selbsthilfegruppe von Eltern mitzunehmen, die er für sich als hilfreich empfindet. Ebenfalls will Gail nicht mit Psychologen oder Psychiatern reden. Um nicht für verrückt erklärt zu werden, hält die Vorstadt-Dame ihre Fahndungen in sozialen Brennpunktgebieten geheim. Natürlich entsteht zu Hause trotz aller Vorsicht die eine oder andere Ungereimtheit und wirft Fragen auf. Gleichzeitig erlebt Gail allerhand bei ihren Ermittlungen. Aus diesen Situationen rekrutiert Joy Fielding immer wieder neue Spannung. In der zweiten Hälfte des Krimi-Thrillers gibt es einen interessanten Wendepunkt, über den ich wegen Spoilergefahr nicht mehr verraten möchte. Insgesamt und vor allem vom Buchbeginn bis zu Gails Mördersuche hat sich Fielding leider in langatmigen Detailbeschreibungen ergossen, die ich gelernt habe zu überfliegen. Langweilige Detailschilderungen tauchen leider durchgängig immer wieder auf und stören den Lesefluss sehr. Der Thriller ist aus den 80er Jahren, wo die Emanzipation noch nicht allzu weit war. Dementsprechend wird Gail behandelt. Immer wieder schroffe Fragen, was ihr einfällt sich nachts auf der Strasse zu bewegen oder an einem bestimmten Ort aufzuhalten. Als wäre eine Frau verpflichtet, abends brav zu Hause zu bleiben. Damit wird aber auch die Gesellschaftskritik Fieldings immer wieder deutlich gemacht: Die Behandlung von Opfern. Die Frau als potentielles Opfer hat an bestimmten Orten und zu bestimmten Zeiten nicht frei herumzulaufen oder zu fahren. Ebenfalls mehrfach thematisiert wird der Umgang der Justiz mit Mördern und Pädophilen, den Gail in lockerer Laienart zusammenfasst: Du musst erst jemanden töten, damit du Rechte hast. Die Opfer und Hinterbliebenen dagegen haben sich zu verantworten …
Insg. ein interessantes und spannendes Buch, mit viel zu vielen langweiligen Stellen. Es ist kein eindeutiger Thriller, wie ich es von Joy Fielding (Lauf Jane lauf, ein mörderischer Sommer, die Katze) gewohnt war.

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