Özakin: Glaube, Liebe, Aircondition

Aysel Özakin:
Glaube, Liebe, Aircondition. Eine türkische Kindheit

Ich lese gerne aus den Realitäten anderer Menschen. In den letzten Jahren empfinde ich vor allem mir fremde Lebenswelten als besonders interessant. Dieses biografische Buch, ist zwar mit dem Erscheinungsjahr 1991 – auf deutsch 1994 – alt, aber deshalb nicht weniger interessant.

Aysel Özakin, die in Ankara und Paris studiert, als Lektorin und Wissenschaftlerin gearbeitet hat und als freie Schriftstellerin nach England auswanderte, erzählt aus ihrer Kindheit und Jugend in der Türkei. Aufhänger der in Anekdoten geschilderten Vergangenheit ist ein Besuch bei ihrer Schwester in den USA, bei dem sie sich deren Fotoalbum ansieht und mit ihr bei einem Kaffee in Erinnerungen schwelgt.
Die Schwestern Özakin wurden mit zwei Brüdern, in einem Armenviertel, auf einem Hügel großgezogen. Die Kinder schwärmten von den großen Städten und einem modernen Leben, das sich an den demokratischen Republiken Westeuropas orientierte. Sie schämten sich für ihre Armut und das Leben im Armenviertel. Die Eltern schwankten zwischen islamischer Taditionen und Offenheit gegenüber der Moderne. Im Klappentext heisst es zwar, die Mutter wäre streng gläubig und der Vater republikanisch gesinnt, aber beim Lesen wird deutlich, dass beide Eltern zwischen Tradition und Moderne hin und her schwankten.
Interessant ist insbesondere der stark unterschiedliche Werdegang und Lebensentwurf der beiden Schwestern. Selma ist Hausfrau und zweifache Mutter. Sie hat eine Ausbildung als Krankenschwester absolviert, im Krankenhaus einen Arzt kennengelernt und geheiratet. Während Aysel sich vom Glauben abgewandt hat, ist Selma gegen ihre Übrzeugung zum Christentum konvertiert, weil ihr Ehemann damals den Wechsel ihrer Religionszugehörigkeit zur Bedingung für die Hochzeit gemacht hat.

Die Erzählungen Özakin lesen sich flüssig und schnell. Sie erzählt aus der Ich-Perspektive, und passt ihren Schreibstil ihrer jeweils erinnerten Entwicklungsphase an. So schreibt sie zum Teil sehr einfach, dem Kindesgemüt angepasst und bei den jugendlichen Erinnerungen z.B. oft nachdenklich.
Der Anfang des Buches ist ein  ziemlicher Knaller, so dass ich hohe Erwartungen hatte, dachte das gesamte Buch wäre etwas herausragend Besonderes. Obwohl meine Erwartungen diesbezüglich nicht erfüllt wurden, das biografische Werk eher eines von Vielen ist, empfinde ich es doch als lesens- und empfehlenswert.

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