David Safier: 28 Tage Lang

Diesese Buch habe ich im Themenraum „Widerstand“ unserer Bibliothek gefunden, und obwohl ich von David Safier bisher nur Komödien – wie Plötzlich Shakespeare, Happy Family… – kannte, habe ich spontan danach gegrifften. Bei 28 Tage Lang handelt es sich um einen historischen Roman, der in den 40er Jahren, im Judenghetto von Warschau spielt. Im Vorwort verspricht Safir einen Spannungsroman, der von der üblichen Betroffenheitsschiene absieht oder darüber hinausgeht. Deshalb habe ich mir diesen Holocaust-Roman ausgeliehen, denn von der Literatur, die ich vor 20 und 30 Jahren gelesen habe, hatte ich irgendwann genug, weil sie mich immer mit einer tiefen Betroffenheit in eine depressive Phase schleuderte.
Aber wie kommt nun der Komödienschreiber zu diesem tiefgründigen Thema? Vor seinen Zeiten als Bestsellerautor war Safier u.a. Journalist. Durch einen Arbeitsauftrag über den Aufstand im Warschauer Ghetto, hatte er viel recherchiert und Zeitzeugen interviewt. Vor allem die persönlichen Erzählungen faszinierten ihn, so dass er tiefer in die Thematik eintauchte. Etwa 20 Jahre hatte er den Wunsch, aus diesem Material ein Buch zu schreiben und hat sich überlegt, welche Herangehensweise, Form etc. er wählen würde. Im Frühjahr 2014 ist sein Werk nun erschienen, und somit empfehle ich euch ein sehr junges, gut erhältliches und immer aktuelles Buch.
Safir beschreibt das Leben im Ghetto und im Widerstand aus der Perspektive eines sechzehnjährigen Mädchens. Mira hatte mit ihrem Judentum eigentlich nichts zu tun, bis die Nazis in Polen einfielen. Nun lebt sie abseits der polnischen Gesellschaft, in einem Ghetto, ausschließlich mit Juden zusammen. Aber sie lebt! Noch! – und kämpft um das Überleben, was immer anstrengender wird. Anfangs ist sie Schmugglerin und später Widerstandskämpferin. Die Widerstandsbewegung ist von 13-19jährigen organisiert. Viele Juden wollen nichts mit dem Widerstand zu tun haben, weil die Kombination aus Angst vor den Nazis und Hoffnung aufs Überleben sie gefügig hält. Eine Ausrottung/ Massenvernichtung halten die meisten Juden für undenkbar, an so etwas wollen nicht glauben.
Dieser Roman ist fast durchgehend spannend und sehr schnell wie ein actionroman. Safier hält aber immer wieder in Momenten inne, die eine Entscheidung erfordern. Wie verhalte ich mich? /hätte ich mich verhalten? Was für ein Mensch will ich sein? Beides hat mir sehr gut gefallen. Im Nebenhandlungsstrang ist trotz der widrigen Umstände Platz für die Liebe, aber und vielleicht gerade wegen der Umstände kein romantisches Gedöns. Safir hat mich mit seinem Werk sehr schnell gepackt, es gab eine lange Phase, in der ich das Buch nicht mehr aus der Hand legen wollte und am Ende wollte ich sofort mehr über die Entstehnung des Romans wissen.

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