Ingrid Noll: Stich für Stich

Ingrid Noll: Stich für Stich. Fünf schlimme Geschichten.
Die Kurzgeschichten sind weniger schlimm als sehr unterhaltsam.
1. Ein milder Stern herniederlacht
Diese Shortstory kannte ich bereits aus einem Weihnachtsbuch mit Kurzgeschichten. Es geht um eine Domina, die ihren Beruf an den Nagel hängen und eine brave Ehefrau werden will. Als sie mit ihrem liebevollen neuen Ehemann das Weihnachtsfest begeht, erscheinen unverhofft zwei Freier, die um Demütigung bitten. Wie reagieren nun die vier Beteiligten, von denen wir zumindest unsere beiden Hauptprotagonisten definitiv besser kennenlernen.
2. Stich für Stich
Bezieht sich auf das Sticken, ein Hobby, das sich in der Familie unserer Hauptperson über drei Generationen hält. Obwohl die Stickerei früher als eine ernsthafte Beschäftigung angesehen, wogegen sie später als einfältig belächelt wurde, entwickelt sich die Leidenschaft in dieser Familie genau andersherum. Oma beschränkte sich dabei auf das Einsticken von Initialien, die sog. Monogramme, Mutter entwickelte einen Faible für Lochstickerei und das „Kind“, das eigentlich aus Langeweile während einer Krankheitsphase eine angefangene Stickerei der Mutter weiter stickte, wird von einer Leidenschaft ergriffen, mehr noch einer Besessenheit. Die Stickerei wurde zu einer lebenserfüllenden Aufgabe, wenn auch „nur“ Freizeitbeschäftigung. Neben Dekorationen und kleinen Geschenken, entstanden riesige gestickte Bilder, so dass die gesamte Wohnung zu einer Ausstellung dieser Kunstwerken wurde.
Bei dieser Geschichte ist auch wieder das Ende erstaunlich. Sie liest sich locker flockig, die Details über das Sticken fand ich recht interessant und am Ende stand das große Staunen, so dass ich die Story gleich noch einmal achtsamer gelesen habe.
3. Die blaurote Luftmatratze
spielt in einer Klapsmühle. Der Arzt ist bemüht aus einen neuen Patienten schlau zu werden, um die Diagnose und Behandlung richtig hinzubekommen. Dieser ist in den Arztgesprächen aber wenig aufgeschlossen, erzählt den MitpatientInnen und einer Krankenschwester aber gerne von sich. Dabei entwickelt sich ein Entdecken der Krankheit oder Persönlichkeit, bei dem am Ende auch wieder alles etwas anders ist als es zuvor schien.
4. Fishermans Friend
Hier plant eine Ehefrau mit ihrem Geliebten den Ehemann zu töten. Aber die Situation entwickelt sich auch wieder anders als geplant.
5. Der gelbe Macho
ist ein Hund, den unsere Protagonistin von ihrem Ehemann geschenkt bekommt, als sie ihren Kinderwunsch geäussert hatte. Diese Story ist nicht ganz so überraschend am Ende, aber einfach sehr schön und unterhaltsam.

Es handelt sich bei dieser Kurzgeschichten-Sammlung um ein Mini-Taschenbuch. Ich habe mich darüber gefreut, weil das Büchlein wunderbar in meine Jackentasche gepasst hat, so dass ich bei Warte- und Fahrzeiten eine super Lektüre parat hatte. Wer Komödien und schwarzen Humor mag ist bei Ingrid Noll genau richtig. Dieses süße Buch ist leider nur noch gebraucht zu kaufen.

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