Bis dahin bin ich vogelfrei

Veronika Vattrod und Sabrina Tophofen: Bis dahin bin ich vogelfrei. Mein Leben als Straßenkind.

In der Reihe MeinLeben arbeitet einE AutorIn mit einer/m BetroffeneN zusammen, um eine TeilBiografie als DokuRoman zu schreiben. Das Buch „Bis dahin bin ich vogelfrei“ ist eine Dokumentation und ein Sachbuch zur Thematik Jugendobdachlosigkeit / Strassenkinder in Deutschland.

Sabrina Tophofen verließ ihr grausames Elternhaus via Kinderheim, nachdem sie auf Anraten ihrer Oma eine Anzeige gegen ihren Vater, wegen sexuellen Missbrauchs, erstellt hatte. Im Kinderheim wurde das Mädchen von MitbewohnerInnen drangsaliert und misshandelt. Mit Hilfe ihrer Zimmernachbarin gelang ihr die Flucht aus der Unterbringung und sie kämpfte sich bis zur Kölner Domplatte durch, wo sie auf Anraten ihrer Zimmergenossin nach einer Iris Lerke suchte. Die Suche zog sich lange hin, aber sie hat sehr schnell Anschluss bei einer Gruppe Strassenkindern gefunden. In dieser Clique erfuhr Sabrina erstmals Geborgenheit, Zusammengehörigkeitsgefühl und Liebe, aber sie lernte auch die harte Seite des Strassenlebens kennen, bei dem Alkohol , Drogen , Gewalt , Diebstahl … zum Alltag gehören. Die Kids suchten täglich eine soziale Einrichtung auf, in der SozialarbeiterInnen Essen, Tee und Betreuung anboten. Einige der Straßenkinder ließen sich betreuen, andere blieben anonym. Topi , wie Sabrina auf der Straße getauft wurde, hatte sehr viel Angst, wieder ins Heim gesteckt zu werden und hielt sich Erwachsenen gegenüber misstrauisch zurück. Es dauerte Jahre bis sie Vertrauen zu Andreas fassen konnte und sich helfen ließ. Nun geschahen zwei sehr interessante Dinge. Erstens bekam Topi sofort ein Zimmer in einer Pension und zweitens fühlte sie sich dort auf seltsame Art unangenehm – eine Reihe von Symptomen der Klaustrophobie stellten sich ein. Als sie wegen innerer Unruhe das Zimmer verließ, fühlte sie sich unter freiem Himmel sofort besser. An dieser Stelle merken wir, dass es für Straßenkinder schwer ist, wieder in die #Sesshaftigkeit des bürgerlichen Lebens zurück zu finden. Noch eine Auffälligkeit: Durch die Betreuung erhielt Topi Geld vom Amt. Als sie nach vielen Jahren wieder Geld in der Hand hielt, fragte sie sich, warum sie nun plötzlich für Dinge bezahlen sollte, die sie sonst immer gestohlen hat.

Die 176 Seiten lassen sich schnell und in einem Zug durchlesen, da Veronika Vattrod in einem einfachen Stil, aber ergreifend geschrieben wie ein Roman. und sehr ergreifend geschrieben hat, nutzt kurze Sätze, eine einfache Wortwahl und vieles ist Mundart, Strassenjargon – eben wie es Sabrina erzählt hat. In diesem Punkt hat mich die Doku an Christiane F. Wir Kinder vom Bahnhof Zoo erinnert, die stilistisch sehr ähnlich ist. Ebenfalls ähnlich: Die Einarbeitung einiger Kommentare einiger Bezugspersonen, z.B. dem Sozialarbeiter, Andreas. Bei handelt sich hier also um kein Prototyp, der in Bestseller – Absicht schnell herunter geschrieben wurde, sondern ein #Buch in dem wirklich gute Absichten, Einfühlungsvermögen, Mühe und Engagement stecken. Die ist in der Ich-Perspektive und im Präsens geschrieben, so dass wir Lesenden uns wie Anwesende empfinden können. Ich war von der Erzählung ergriffen und konnte den Jugendroman kaum noch aus der Hand legen. Die habe ich als lehrreich und bereichernd empfunden. Meiner Meinung nach ist dieses durch und durch empfehlenswert, für Erwachsene ebenso wie für Jugendliche, die Einblicke in die erhaltene möchten.

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