Der Duft des Lindenbaums

Peter Münch: Der Duft des Lindenbaums. Ein Tagebuch aus Sarajewo.

Nina ist erst zwölf Jahre alt, denkt aber schon viel über den Tod nach. Nina ist der Kosename von Nirvana, was „himmlischer Frieden“ heisst, aber sie lebt im Krieg. Nina ist ein ganz normales Mädchen, die beliebt ist, spielen will und Tanzen. Ausserdem hat sie sich gerade zum ersten mal verliebt . Anstelle Freunde zu treffen, muss sie leider oft in der Wohnung oder im Schutzkeller sitzen, weil draussen geschossen wird, Bomben und Granaten fallen. Persönlich erlebt sie eine Umbruchzeit vom Kind zur Teenagerin und politisch erlebt sie die letzten Kämpfe um die Hauptstadt von Bosnien-Herzegowina. Über ihr Leben in Sarajewo hat sie Tagebuch geschrieben, bis sie 27. August 1995 von einem Granatsplitter getroffen wurde.

Peter Münch schreibt als Journalist über Kriegsgebiete, und reiste zehn Jahre nach dem Kriegsende, für einen Zeitungsbericht, nach Bosnien-Herzegowina. Bei der Besichtigung Sarajewos bemerkte er ein Denkmal, für ein zwölfjähriges, Mädchen woraufhin er sich bis zu ihrer Familie durchfragte. Von Frau Zeljkovic erhielt er das Tagebuch ihrer Tochter, Nina, und in Gesprächen viele ergänzende Informationen.

Münch wollte das Kriegstagebuch veröffentlichen, jedoch hätte es alleine nicht genug hergegeben. Nina hat oft aufgezählt, wer zum spielen gekommen ist oder wer mit wem und über wen… D.h. die Berichte enthalten sehr viele Namen und auch viele Wiederholungen, wie die Spiele, oft fiel das Tanztraining aus, weil die Stadt unter Beschuss stand, oft durfte sie nicht rausgehen oder musste im Luftschutzbunker verharren, bis der Bombenalarm vorbei war und es gab oft keinen Strom. Zwar hat sie auch Gedichte und tiefgründige Gedanken niedergeschrieben, aber nicht ausreichend. Also hat Münch eine Rahmenhandlung erfunden, die er um das Tagebuch drumherum geschrieben hat. Die fiktive Person, Elvis, ein Kriegsflüchtling, reist nach vielen Jahren in seine völlig veränderte Heimat und besichtigt seinen Kiez, wobei er das Denkmal, für seine ehemals beste Freundin, Nina, vorfindet. Er sucht Ninas Familie, die ihn von früher noch kennt, bekommt das Tagebuch von Nina, die anscheinend in ihn – Elvis – verliebt war und daher alle Einträge wie Briefe an ihn geschrieben hat. Die Gespräche der Mutter, was er durch sie über Nina, die Familie und den Krieg in Sarajewo erfahren hat, ist dabei wie eine Mischung aus Forschungsberichten / Reiseberichten von Elvis geschrieben. So sind Ninas alte Berichte vom Tag kombiniert mit Münchs / Elvis’ neuen Berichten, ein Zeitzeugnis ist kombiniert mit einer Fitkion.

Anders als bei Zeitungsartikeln, die üblicherweise viel Inhalt auf wenig Platz bringen, bedient sich Münch häufigen Wiederholungen, zum Teil mit anderer Wortwahl, um die Dramatik zu verdeutlichen. Gleichzeitig schreibt er aber wie bei einer Dokumentation oft sehr einfach, damit es sachlich und authentisch wirkt. Alles in allem hat mir das Buch absolut nicht gefallen. Weder konnte Münch meine Gefühle ansprechen, noch habe ich das Buch als spannend empfunden. Die Rahmenhandlung hat mir nicht zugesagt, so dass ich versucht habe, nur die Tagebuchstellen zu lesen, aber dies dann auch abgebrochen habe.

Abschließend finde ich es schade, dass aus einem Zeitzeugnis von einem Mädchen, die viele Interessen und Freunde hatte und sehr intelligent gewesen zu sein scheint, nicht mehr gemacht wurde. Andererseits ist ein Journalist nicht automatisch ein guter Buchautor, und sehr viel Zeit hatte Münch vermutlich auch nicht. David Safir war auch Journalist und ist als Autor, mit dem Spannungsroman „28 Tage lang“ vielleicht die Ausnahme, vielleicht aber auch ein gutes Vorbild. Jedenfalls hat er, nach mehreren Jahrzehnten, die Erzählungen von Zeitzeugen zu einem absolut empfehlenswerten Roman verarbeitet.

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