Die Insel der fünf Frauen

Shirley Conran: Die Insel der fünf Frauen
Monika Seeger (Übersetzerin)

Da ich heute ein sehr langes Buch rezensiere, hier erst mal eine Übersicht.
Prolog S. 9 Paui
1. Buch S. 25 – 84 Das goldene Dreieck
2. Buch S. 89 – 165 Das Paradies
3. Buch S. 169 – 343 Panik
4. Buch S. 347 -413 Survival
5. Buch S. 417 – 464 Gefahr
6. Buch S. 467 – 516 Itambu
7. Buch S. 519 – 582 Im Schatten des Todes
Dank S. 883

Ihr merkt schon, dass zwischendurch immer ein paar Seiten fehlen. Diese sind leer oder dienen als Titelseite. Das Buch ist aber nicht nur durch leere Seiten extrem gestreckt. Bis Seite 169 habe ich den Roman fast nur überflogen, was ich auch später bei vielen Teilen beibehalten habe.

Es geht um fünf Frauen, die von jahrelangem Reichtum verwöhnt, mit einem führenden Mitarbeiter der selben Firma verheiratet sind, aber darüber hinaus kaum Gemeinsamkeiten haben. Am Anfang werden die Ehefrauen ausführlich vorgestgellt, welche Sorgen und Probleme sie trotz ihres materiellen Wohlstands haben. Die katholische Silvana hatte viele Fehlgeburten, hat Heimweh nach Italien, ist unglücklich, einsam, fett und verunsichert. Ihr Mann ignoriert und isoliert sie seit etwa 20 Jahren. Patty hat einen behinderten Jungen und ist neurotisch. Annie hat wenig Selbstbewusstsein, einen unbeherrscht tobenden Ehemann, vor dem sie sich fürchtet, drei sportliche Söhne, denen sie alles hinterher räumt, und einen ausdauernden Verehrer, der zu allem Überfluss auch noch ein entfernter Kollege ihres Mannes ist. Die Architektin, Carey, ist die einzige Akademikerin und die einzige Berufstätige von den Fünfen. Sie ist nicht unglücklich, nur genervt von den langweiligen Veranstaltungen der Firma ihres Mannes, auf die sie ihn begleiten muss. Suzy ist die einzige, die aus prekären Verhältnissen stammt. Ihr Stewardessen-Job war nur ein Absprungbrett, denn zum Beruf hat sie ihre Weiblichkeit gemacht, so dass sie von allen Frauen gehasst wird. Shirley Conran labert sich über 59 Seiten aus, in denen es um diese Frauen geht, sie aber jeden Raum, jeden Vorhang und jedes Kleid detailliert beschreibt.

Die fünf Ehefrauen müssen ihre Gatten auf eine Firmenreise in die Tropen begleiten. Das Reiseziel – kein sicheres Land – wurde aus geschäftlichem Interesse gewählt. Während ihres Aufenthalts kommt es zum Regierungsputsch. Als die Frauen von einer Bootsfahrt zurückkehren, sehen sie wie ihre Gatten erschossen werden, und fliehen zurück aufs Boot und auf eine Insel. Diese Insel besteht allerdings weitgehend aus Dschungel, aber auch am Strand lauern vielen unbekannte Gefahren. Von dieser Zeit der fünf Frauen auf der Insel soll das Buch handeln. Luxusweibchen in der Natur pur, mehr noch: Im Überlebenskampf. Überleben wird zum einzigen Lebensinhalt. Hier hilft weder Reichtum noch Weiblichkeit. Die Attraktion besteht also darin, Menschen, die weder Gemeinsamkeiten, noch eine Bindung zueinander haben in einen nicht nur atypischen, sondern auch gefährlichen Lebensraum zu setzen.
Erstmal fand ich es sehr unschön, dass die eigentliche Story erst auf S. 169 beginnt. Vorher endloses Laberrabarber. Aber es geht immer noch nicht richtig los, denn die Frauen haben einen Mann bei sich. Jonathan, der Kapitän von ihrer Bootsfahrt, macht sich zum Anführer, der den Frauen Überlebenstechniken im Dschungel und einige Kampfsporttricks lehrt. Nun folgen seitenweise Monologie und Belehrungen von Jonathan, dem unfehlbaren Alleswisser, und wir Lesenden warten vergebens auf action, Abenteuer und Initiative der Frauen. Spätestens hier hätte ich das Buch weg geschleudert, aber ich muss zugeben, dass mich die Survivaltechniken im Dschungel interessiert haben. Also las ich weiter.

Auf S. 413 stirbt Jonathan. Es fiel mir schwer, den letzten Satz nicht mit dem Wort endlich zu beendet. Im 5. Buch, ab S. 417 sind die Frauen allein. Wird die Story nun endlich richtig beginnen, so wie es der Titel und der Klappentext verspricht? „…Allein auf sich gestellt. Umgeben von tödlichen Gefahren. …“ Also halten wir fest: Der Roman geht über 582 Seiten (inklusive Leerseiten) und ab S. 417 sind die Frauen tatsächlich ohne männlichen Beistand auf der Insel.

Endlich gewinnt die Handlung an Dichte, aber mit Spannung und action lässt es Conran weiterhin gemächlich angehen. Stattdessen liefert sie über einen sehr langen Zeitraum Tabubrüche, anstelle Abenteuer und Nervenkitzel, und damit einhergehend die moralischen Erörterungen. Der ganze Roman ist aus einer übergeordneten Perspektive geschrieben.

Das Finale – wie es ausgeht, verrate ich euch nicht – hat mir auch nicht gefallen, weil das Buch abrupt endet. Das war schon sehr extrem.

Alles in allem, ein Buch für Leute, die Interesse an Dschungel, Wildnis und Survival haben und für Leute, denen das Überfliegen weiter Teile des langen Romans nichts ausmacht.

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