Carla Blumberg: Paradiesvögel

Mau wie Maus oder Mau wie grau? Beides passt zu der schüchternen, stillen Paula Mau, die meistens übersehen, zumindest nicht beachtet wird. Sie kämpft nicht um Beachtung, sondern nutzt die Unaufmerksamkeit der Menschen, um lange Finger zu machen. Diese Begabung ist hilfreich, da Paulas Finanzen auch eher mau sind, droht sich aber zu verselbständigen, so dass sie sich sehr zurückhalten muss, nicht alle Brieftaschen an sich zu nehmen, die ihr wie reife Früchte entgegen gestreckt zu werden scheinen. Paulas Leben ist gerade ziemlich brüchig, und neben ihrem jüngsten Diebstahlopfer im Reisebus zu sitzen, ist nicht unbedingt aufbauend. Sie stellt sich ihm vorsichtshalber als Maria vor.

Hanno Kröger ist erst mit zunehmendem Alter schüchterner geworden. Als junger Mann hatte er Ähnlichkeit mit Belmondo. Jetzt ist seine Haut mit Altersflecken übersäht, er weiss dass alte Menschen stinken und schämt sich für sein schlechtes Gedächtnis. Er glaubt, seine junge Sitznachbarin zu kennen, weiss aber nicht woher oder ob er sich doch irrt. Dass er sie nach der Busreise noch mal wieder sehen würde, glaubt er nicht und daher fantasiert er großzügig, wenn er über sich und seine Vergangenheit erzählt.

Mit den beiden Hauptpersonen hat Carla Blumberg wirklich liebenswerte Charaktere erschaffen, mit denen sie sich bei den Lesenden schleichend ins Herz schreichbt. Sie entwickelt die Figuren sowie die Handlung auf eine sensible, sanfte Art. Auch die nahe sitzenden Fahrgäste, die sog. Paradiesvögel, da sie allesamt aus der Art geschlagen sind, werden von Blumberg nicht sensationslustig, sondern auf eine sanfte Art ein- und
sanft zu einer kleinen Reisegruppe zusammengeführt.

Das Buch spielt hauptsächlich in einem Linienbus von Hamburg nach Spanien und drei Tage am Reiseziel, Sevilla, wo sich einige der Busbekanntschaften nochmals über den Weg laufen.

Ein kleines Buch – zum kleinen Preis – mit einer anrührenden Geschichte. Einzig die Vorhersehbarkeit bzgl. des Nebenhandlungsstrangs hat mir nicht gefallen. Von den Beschreibungen wäre einiges überflüssig, denn ein bisschen langatmig war der Roman schon teilweise.

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