Feth: Mädchenmaler

Monika Feth: Der Mädchenmaler. Jettes 2. Fall.

Reihenfolge der Krimi-Thriller um Jette und Merle
1. Erdberpflücker
2. Mädchenmaler
3. Scherbensammler

Im zweiten Band wird in mehreren Aspekten auf Band 1 eigegangen – auf den Verlust von Karo für Jette und Merle, auf die schlimme Krise von Jette, auf das Verhältnis von Jette und ihrer Mutter, auf das Emotions- und Familienleben des Kommissars, der sich in Jettes Mutter verliebt hatte. Es ist also schon anzuraten dieses Buch erst zu lesen, nachdem ihr „Der Erdbeerpflücker“ kennt.

Zusammengefasst ist „Der Mädchenmaler“ eine große Enttäuschung. Vielleicht wäre es als gekürztes Hörbuch wenigstens besser gewesen.

Das Thema im Fall „Mädchenmaler“ lautet Inzest. Mit der Aufbereitung des Themas, Geschwisterliebe, bin ich unzufrieden. Zum einen weil der Inzest in diesem Roman Hand in Hand geht mit Unzucht mit Minderjährigen und einer Psychose bei dem 23-jährigen Bruder. Die Besessenheit von seiner Schwester hält er für Liebe und Schizophrenie (sein Verhalten wechselt so stark, als wäre er zwei verschiedene Menschen). Diese Besonderheiten lenken meiner Meinung nach zu sehr vom Kernthema ab.
Inzest als Thema ist zwar eine große Sache, weil es ein Tabuthema mit einiger Brisanz sein dürfte, aber darin besteht noch nicht das ganze Familiengeheimnis. Ilka fühlt sich schuldig und schmutzig. Einen noch größeren Anteil der Schuld weist sie ihrem Bruder, von dem sie sich spontan und unwiderruflich abwandte, als sie die Nachricht vom Unfall ihrer erhielt. Ob und wer inwieweit, warum und überhaupt Schuld ist, bleibt ungeklärt, aber es sind keine uninteressanten Gedankengänge.

Das Buch ist aus der Perspektive des Erzählers und aus der Ich-Perspektive von Jette geschrieben. Jedes Kapitel ist einer anderen Person oder Personenkonstellation gewidmet, z.B. WG-Bewohner oder Familie von Ilka. Eine Situation wird durchaus auch in zwei Kapiteln aus der Erzähler-Perspektive mit dem Schwerpunkt einer anderen Person beschrieben, z.B. Rubens in seiner neuen Villa, die er für sich und seine Schwester eingerichtet hat und dann Ilka, die durch diese Villa geht und alle Eindrücke völlig anders wahrnimmt als ihr Bruder. Das klingt so beschrieben vielleicht seltsam, ist aber interessant und keine Wiederholung.

Jette und Merle kämpfen noch, um den Tod ihrer Freundin zu verarbeiten und wieder ein normales Leben zu führen. Insbesondere Jette ist sehr abgemagert, auch nervlich wenig belastbar, und braucht noch viel Ruhe. Das freie WG-Zimmer (von Karo) vermieten die Schülerinnen ganz bewusst an einen Jungen, weil sie dann weder Vergleiche zu Karo ziehen noch einen Ersatz für sie suchen. Dass der neue Mitbewohner, Mike, eine Freundin hat stört die Beiden nicht. Ilka ist sehr verschlossen, obwohl sie bereits drei Jahre ernsthaft mit Mike zusammen ist. Er denkt, sie ist traumatisiert, weil ihre Eltern vor drei Jahren bei einem Verkehrsunfall ums Leben kamen, was nicht ganz der Wahrheit entspricht. So lässt er ihr verständnisvoll Zeit, denn er weiss auch nicht, wie wenig Zeit ihm noch mit ihr bleibt.

Ilka ist plötzlich verschwunden, und Mike ausser sich vor Sorge. Die WG-Mädchen verhalten sich, als wären sie mit Mike und Ilka die dicksten Freundinnen. Diese Entwicklung in der WG ging mir zu schnell. Der Prozess, in dem die Freundinnen und Mike (und Ilka) sich kennen lernen und anfreunden hat mir gefehlt. Die Drei, insbesondere Jette, beginnen zu ermitteln, weil die Polizei nicht vernünftig aus dem Knick kommt. Die Entwicklung von Jettes Verhalten hat mir ebenfalls nicht gefallen. Jettes Ermittlungen haben sie in Band 1 fast das Leben gekostet, in Band 2 ist sie anfangs noch zu schwach um zur Schule zu gehen, aber dann schon wieder ermitteln, und zwar mit Spontanität und im Alleingang. Jette bringt sich in kürzester Zeit erneut in Lebensgefahr. Leider geschieht das aus Dummheit und Nachlässigkeit, was beides in Romanen keine Seltenheit ist.

Auch von Seiten des Kommissars hätte Achtsamkeit und Gründlichkeit in der Ermittlungsarbeit schnell zur Lösung des Falles geführt und die gefährlichen Ermittlungsspielchen der Jugendlichen verhindert. Der Spannungsbogen des Romans hätte dann ausschließlich in der Aufdeckung des Familiengeheimnisses bestanden, vielleicht noch im Nebenhandlungsstrang im Warten und Drängen, ob der Kommissar nun endlich etwas Neues herausgefunden hat.

Das Buch enthielt viele langweilige und überflüssige Detailbeschreibungen – Räume, Häuser, Landschaften. Leider erschienen mir auch auch ganze Kapitel als langweilige und überflüssig. Dabei handelte es sich überwiegend um den Kommissar und um Jettes Mutter. Dementsprechend werde ich mir keine Lese-Bücher der Jette-Thriller mehr besorgen, es aber noch einmal mit einem Hörbuch versuchen. Wenn der Scherbensammler auch wieder so ein Flop ist, lese ich anschließend nichts mehr von Feth.

Am meisten kritisiere ich das Ende. Urplötzlich und viel zu rasant war die story vorbei. Als hätte die Autorin plötzlich einen Herzinfarkt erlitten und das Ende wurde von einem xy aus dem Verlag zusammen geschustert. Das fand ich wirklich ärgerlich, so abgespeist zu werden.

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