Herzen im Schleudergang

Nadja Nollau : Herzen im Schleudergang

An sich bin ich keine Leserin von Lieberomanen. Die Liebe darf entweder nur im Nebenhandlungsstrang mitlaufen oder muss mit einer interessanten Thematik verknüpft sein. Dieser Roman thematisiert verschiedene Altersunterschiede in der Liebe. Während es fast schon normal ist, Männer mit einer weit jüngeren Frau zu sehen, werden ältere Frauen mit einem auffallend jüngeren Mann wie Verbrecherinnen behandelt. Es ist eine der vielen Ungerechtigkeiten, die in unserer Gesellschaft leider gehegt und gepflegt werden. Ich habe schon mal ein Buch (Unter Damen von Claudia Keller) zu diesem Thema gelesen. Das ist jetzt elf Jahre her, so dass ich es mir im Anschluss an „Herzen im Schleudergang“ noch mal vornehmen könnte. Was ich aber damit sagen will ist: Scheinbar hat dieses Thema kaum Eingang in die Literatur gefunden, oder diese Bücher haben nicht zu mir gefunden. Ich finde generell wenig Bücher, in denen eine ältere Frau die Protagonistin ist, und wenn dann wird sie von ihrem Mann zugunsten einer jüngeren Frau verlassen. Dieses Buch ist erst mein 2., indem eine ältere Frau, eine Liebesbeziehung mit einem jüngeren Mann eingeht.

Ein gutes Motto: Man ist nie zu alt, zu klug oder zu erfahren für Schmetterlinge im Bauch!

Die 45-jährige Kristina hat zwei Kinder erfolgreich großgezogen, sich vor fünf Jahren von ihrem untreuen Ehemann befreit und ist in ihrem Beruf neu gestartet. Unterstützt von ihrer Freundin, Rita, betreibt sie eine gut laufende Massage-Praxis. Rita, ist eine super-Freundin, ein fränkisches Original und wirkt einerseits lebenslustig, andererseits aber leider wie eine Marionette der Schönheits- und Verjüngungsindustrie. „Offenbar hatte Rita es sich zur Lebensaufgabe gemacht, Kristina zu verkuppeln.“ S.10 Kristina lässt es in der Liebe eher ruhig angehen, indem sie etwa einen Mann pro Jahr und jedes mal Pech hatte. Doch dann begegnet sie zufällig Tom!

Kristinas hatte ihre Kinder eingeladen, als ihr Sohn den 29-jährigen Tom eines Tages mitbrachte. Ihre Tochter ist frisch getrennt und signalisiert sofort Interesse an Tom, der jedoch auf Anhieb Gefallen an Kristina gefunden zu haben scheint. Durch den Altersunterschied bemerkt Kristina sein Interesse anfangs nicht, vor allem weil sie Tom als echten Traumtypen empfindet. Dann plagen sie Zweifel – Tom würde besser zu ihrer Tochter passen – und sie hat Angst vor der Reaktion ihrer Familie und anderen Menschen, am meisten vor denen ihrer eigenen Kinder … Diese Ängste schein Tom überhaupt nicht zu verstehen. Er möchte eine ganz normale Beziehung mit Kristina führen, wogegen sie ihn verstecken möchte. Somit sind Missverständnisse und Probleme vorprogrammiert.

Insgesamt hat mir die Romantik-Komödie gefallen, und ich würde es durchaus als Wohlfühl- Mutmachbuch bezeichnen.
Sehr gut gefallen hat mir der fränkische Dialekt von Rita, oft schmunzeln oder auflachen ließ. „Gschmarri“ sagt sie oft. (Vermutlich Unsinn)
„Dräum weider!“ S. 15
„Das ist der Ruudzläffl!“ S.181 Rotzlöffel
Die Schreibe von Nollau ist insgesamt locker und eingängig, so dass der Roman leicht / schnell zu lesen ist. Der Roman ist aus Kristinas Perspektive geschrieben, und wir Lesenden geraten emotional mit ihr in ein Schleuderprogramm für Herzen.
Ich kam nicht sofort in die Geschichte rein, weil es anfangs viel um beauty und anti-age ging, was mich genervt und gelangweilt hat. Glücklicherweise gab es in der Handlung bald wichtigeres als Schönheitsbehandlungen. Wie sich die Beziehung zwischen Tom und Kristina entwickeln und wie die Menschen auf das ungleiche Paar reagieren würde, bleibt lange Zeit interessant und spannend. Mit einigen Männern, die deutlich jüngere Frauen haben und dies völlig ok, bzw. richtig super finden, setzt sich Kristina auseinander. Ihr Ex-Mann, der bereits deutlich älter als Kristina war hat nun eine 30 Jahre jüngere Frau, mit der er seine zweite Familie gründet. Ihr Vater verliebt sich mit knapp 70 Jahren in eine deutlich jüngere Frau, ist aber Kristina gegenüber extrem intolerant. Beim Lesen bekam ich einen dicken Hals vor Wut, weil Kristina nicht richtig mit der Faust auf den Tisch haut. Andererseits ist klar, dass man mit älteren Menschen etwas vorsichtiger umgehen muss. Die Konstruktion, im engsten Umfeld der Protagonistin ebenfalls Paare mit einem großen Altersunterschied zu erfinden, fand ich etwas übertrieben. Für mich wäre es ok gewesen, dass beide Protagonisten ungleiche Paare wahrnehmen, die ihnen früher nicht aufgefallen wären, aber der Ex und der Vater ist mir zu dicht und daher zu konstruiert. Sehr konstruiert habe ich auch das Ende des Romans empfunden, worauf ich hier aber nicht weiter eingehen werde. Dass ich mir auf S. 199 bereits denken konnte, welche Überraschung die Autorin S. 253 kurz vor Ende bereit hält, hat mir nicht besonders gefallen.
Ausserdem ist mir aufgefallen, dass die Personen der nicht mehr existierenden Mittelschicht angehören. Ein gut laufender Massagesalon ist heutzutage wohl nur noch in einer Kette anzutreffen. Selbständige Architekten haben es schon seit Jahrzehnten verdammt schwer. Kristinas Tochter hat mit 22 Jahren und trotz schwierigen Charakters eine gutbezahlte Stelle in einer Redaktion.
Ok, das war jetzt sehr viel Kritik, aber das Buch ist natürlich nicht nur schlecht. Außerdem möchte ich noch mal erwähnen, dass die Bücher von universo bei kik inzwischen auf 10 Cent heruntergepreist worden sind.

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