Das Glück ist eine Baustelle

Sabine Neuffer : Das Glück ist eine Baustelle. Erstveröffentlichung 2007, im Verlag Universo 2013

Das Buch beginnt wie eine Romantikkomödie, in der die anfänglich gehegten Apathien im Laufe der Zeit durch Perspektivwechsel und Weiterenteicklung der Akteure abgebaut, Meinungen geändert und Partnerschaften gewechselt werden. Jedoch ist dies einer der Romane, die nicht nur leicht vor sich herplätschern, sondern auch tiefgehende Themen behandeln. Trauerarbeit, Suizid, Sterbehilfe, Vaterschaft und was ist das eigene kleine Dasein gegen das pompöse Leben der Reichen und Schönen?

Die 38-jährige Hannah Lages lebt in Lüneburg, und ist erfolgreiche Goldschmiedin, mit einem eigenen Atelier. Sie ist geschieden, hat eine 14-jährige Tochter, die zum ersten mal verliebt ist, eine 26-jährige Mitarbeiterin, mit der sie sich angefreundet hat, und eine beste Freundin aus Tanzschulzeiten. Zu ihrem Glück fehlten nur zwei Dinge. Sie müsste den Tod ihrer Mutter überwinden und sich endlich mal wieder verlieben. Doch da verkündet ihr Vater, seine langjährige Affaire heiraten zu wollen und ihr Vermieter beginnt mit Bauarbeiten, die ihr Geschäft kalt stellen, und somit ihre Existenz gefährden. Was nun? Ins Internet! Und tatsächlich: Die Aufträge kommen herein, wie vom Himmel gefallen, und sogar der Webdesigner ist ist ein Leckerbissen. Nur schade, dass Hannah sich neben ihm wie Aschenputtel (S.151) fühlt. Der arrogante Vermieter aus Zürich, Dirk Mainwald, beschließt immer wieder neue Sanierungen, mal diese und mal jene Leitungen, so dass Hannah und Susi in der Werkstatt nicht arbeiten können. Susi meint, der Mainwald habe nur Augen für Hannah. Aber Hannah sieht nur den Verdienstausfall, Staub und Dreck, die mit diesem arroganten Typen einhergehen. Diese Handlungdstränge würden schon für eine nette RomKom genügen. Dazu kommen aber noch Hinweise im Nachlass von Hannas Mutter, die sich wie ein Puzzle zusammen fügen lassen. Tatsächlich könnte es Hannah durch ihre Nachforschungen gelingen, den Suizid ihrer Mutter aufzuklären, aber zu welchem Preis? Gibt es da evt. ein Familiengeheimnis aufzudecken und falls dem tatsächlich so sei, wäre es vielleicht klüger das Geheimnis ruhen zu lassen?

Im Großen und Ganzen war ich mit dem Roman zufrieden. Allerdings glaube ich, Sabine Neuffer hat sich bei dem Vorhaben, eine moderne, etwas turbulente Romantikkommödie zu schreiben, etwas übernommen. Die Gespräche der 14-jährigen Ilka mit ihrer Mutter wirkten oft unecht auf mich. (Z.B.: „Klasse, Mami, der ist voll nett! Dass du das nicht gleich gemerkt hast!“ S.273) Die Teenager von 2007 haben einen anderen Entwicklungsstand und eine andere Ausdrucksweise als in den 70er Jahren. Das müsste die Autorin eigentlich bemerkt haben, da sie auch als Lehrerin tätig ist.
Neuffer hat den modernen Beruf des Webdesigner, aber auch den des Fotografen, dargestellt, als könnten die Leute in Saus und Braus leben. Dabei sind beides keine geschützten Berufe und als Einzelunternehmen war es für Webdesigner 2007 schon nicht mehr das reine Zuckerschlecken.
Ob Neuffer tatsächlich dachte, eine Internetpräsenz würde das Geschäft dermaßen ankurbeln, dass die Aufträge fast wie vom Himmel gefallen in der kleinen Goldschmiede eingehen, oder das Intetnet einfach als schriftstellerische Trickkiste à la world-wide-wonderland benutzt hat, vermag ich nicht zu sagen. Immerhin ließ sie durch den Webdesigner etwas Sachkompetenz verlauten; dass er die Homepage für Google und andere Suchmachinen fit gemacht und gegen Junkmails eine Vorkehrung getroffen hat.
(Gerade am Thema Internet ist aber auch die Schnelllebigkeit unserer Zeit zu sehen. Heute würde kei Unternehmen einfach eine eine Webseite mit Onlineshop ins Netz stellen, ohne die Palette der neuen sozialen Medien zu bedienen. Auch die Berufsbezeichnungen haben in den letzten zehn Jahren Zuwachs und immer wieder neue Betitelungen erhalten.)
Bei diesem Roman sind mir auch die Umgangsformen aufgestoßen, wenn die Akteure vom Sie zum Du übergehen wollten. Aber in Hamburg und Umgebung ist es tatsächlich üblich, den Vornamen und Sie zu sagen. Ich persönlich kenne diese Art nur aus der Schule, als wir zu alt für das bisher übliche Du waren.

Nebenbei bemerkt hat Neuffer Kudamm (Ku’damm S.256) falsch geschrieben und der Fehler ging dem Lektorat (vorausgesetzt Universo hat eines) auch durch die Lappen.

Natürlich gibt es auch positive Aspekte:
Das Büchlein hat mich gerade mal 10 Cent gekostet.
In der story ist eine Menge geschehen.
Die Liebesgeschichte stand nie im Mittelpunkt, sondern entwickelte sich stets beiläufig.
Auch ernstafte Themen werden angesprochen, aber nicht breit getreten, so dass Impulse zum Nachdenken gegeben sind, der Roman aber eine Komödie bleibt.
Der RomKom ließ sich schnell und einfach durchlesen.
Die Personen, auch wenn einige stellenweise weniger authentisch auf mich wirkten, waren eigentlich alle liebenswert.

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