Annemarie Schoenle : ICH HABE NEIN GESAGT

Dieses Buch ist eigentlich sehr bekannt und sogar verfilmt worden. Die erneute Auflage bei Universo als billiges Taschenbuch kann ich mir nur mit einer Erhöhung der Reichweite erklären. D.h. Annemarie Schoenle versucht vermutlich auch noch die Frauen zu erreichen, die speziell in Billig-Läden und dort auf den Grabbel-Tischen gucken.

Schoenle hat dieses Drama für Opfer häuslicher Gewalt geschrieben, deren Beziehungen oder Familienleben nach aussen brav und ordentlich wirken, für Frauen, die hinter einer Bilderbuchfassade durch die Hölle gehen.
„Hübsche temperamentvolle Verkäuferin, verheiratet mit einem tüchtigen Kfz-Mechaniker, reizendes Kind, nette Wohnung…. Und warum suchte man nach Sperma auf Bauklötzchen und schabte Hautreste von der Herdplatte?“ S.269
Doris hätte sich längst trennen müssen, da sie immer häufiger und heftiger von ihrem Mann attackiert wird und er sich sexuell seit Jahren an ihr vergeht. Doris sagt ihm nur immer wieder, zum Sex gehört Zärtlichkeit. Sie hält sich an Hoffnungen und glücklichen Erinnerungen fest. Außerdem meint sie, ihrer 8-jährigen Tochter eine heile Welt vorspielen zu müssen, will sich ihr zu Liebe zumindest nicht trennen.

Das Buch handelt von dem inzwischen 20-jährigen deutschen Gesetz, mit dem Vergewaltigungen durch den Ehepartner in ihrem Sachverhalt anerkannt und unter Strafe gestellt wurden. Ich erinnere mich, wie ich 1997 sagte, theoretisch ein richtiger und wichtiger Schritt, aber praktisch?! – wie soll eine Frau ihr Recht durchsetzen?!

Welche Konflikte bei Doris und Werner warum auftreten, warum ungelöst bleiben… werde ich hier nicht einbringen. Anmerken möchte ich aber, dass Gewalt immer gesteigert und damit einhergehend der Respekt vor dem Opfer weiter abgebaut wird. Hier erreicht die Gewaltspirale ihren Höhepunkt als Werner wie ein Barbar über Doris her fällt, sie übelst zurichtet und brutal vergewaltigt. Mir erschien es wie ein Wunder, dass Sie mit dem Leben davon gekommen ist. Ich habe absichtlich nicht dazu geschrieben, ob und womit Doris ihren Mann provoziert hat, weil nichts, absolut gar nichts, Werners Gewaltverbrechen rechtfertigen kann. Gewalt gegen eine Frau ist unverzeihlich!

Dieses Buch hilft mißhandelten Frauen zu verstehen, dass sie mit ihren Gefühlen nicht alleine sind, dass Andere in der Situation das Gleiche gefühlt haben. Das Buch soll auch den Mitmenschen von Betroffenen zeigen, was sie falsch machen, wenn sie die Situation aus ihrer eingeschränkten Sicht betrachten.

Obwohl ich das Thema im Speziellen und allgemein Gewalt gegen Frauen interessant und wichtig finde, muss ich gestehen, dass ich diesen Roman nicht zu Ende gelesen habe. Mir ging es zu sehr an die Nieren, wie sehr Doris sich ihrem Mann immer wieder ausgeliefert hat. Selbst nach der Eskalation, als Werner aus der Familienwohnung ausgezogen war, kam Doris nicht auf die Idee, die Wohnungstür mit einem neuen Schloss zu sichern. Was mich auch ziemlich mitgenommem hat, waren die Reaktionen der lieben Mitmenschen, von Mutter über beste Freundin bis zum Bekanntenkreis. Es war allerdings gar nicht so leicht, das Buch weg zu legen, denn irgendwie wollte ich doch wissen, was aus Doris und ihrer Anzeige wird. Also habe ich einfach an den verschiedenen Stellen in das Buch reingelesen, hin- und hergelesen, bis ich dann bereit war, mich aus dem Geschehen ganz zu lösen.

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