Kinsella : Frag nicht nach Sonnenschein

Originaltitel: My NotSso Perfect Life

Hallo fremder Mensch,
denkst du Karriereleute haben ein perfektes Leben? – oder wenigstens wenigstens die Schönen und Reichen, weil sie ständig reisen, die neuesten In-Restaurants und hipsten Events besuchen? Glaubst du, es gibt ein perfektes Leben? Dann wird dich der neue Roman von Sophie Kinsella vermutlich ansprechen.
Setzt du gerne eine Maske auf, kämpfst morgens im Badezimmer gegen deine Natur(locken, -augenbrauen, -hautfarbe …), weil du dich für so beschämend unperfekt hälst? Postest du Fake-Fotos auf Instagram, Facebook …, um deinem Leben etwas mehr Glamour zu verleihen, dich etwas besser darzustellen? Herzlichen Glückwunsch zu deiner Blödheit! Dein Niveau ist so bedauernswert unterirdisch, dass der Roman wie für dich geschrieben ist.
Meiner Ansicht nach ist „Frag nicht nach Sonnenschein“ ein Märchen für Erwachsene.
Und die Moral von der Geschicht:
Ein perfektes Leben gibt es nicht!
Na sowas, wer hätte das gedacht?! Sonnenschein ist das Synomym für Sonnenseite des Lebens/ das perfekte Leben. Eine Frage danach erübrigt sich also. Der englische Titel heisst „My not so perfect life“ und so nennt die Protagonistin auch ihren Instagram-Account, nachdem sie es kapiert hatte. Außerdem lernen dumme Menschen, sich nicht zu verstellen, sondern zu sich und der eigenen Natur zu stehen, weil nur dadurch Selbstbewusstsein entsteht.
Die story erinnert mich an eine Mischung aus „Verliebt in Berlin“ und „Der Teufel trägt Prada“ mit einer kräftigen Zugabe von Kuschelgeneration, bzw. haben die wichtigen Leute alle einen guten Kern oder wurden zuvor nur verkannt.

Für mich war es eine große Enttäuschung und mit Abstand das schlechteste Buch, das ich von Sophie Kinsella in den Händen hatte. Auch ohne Kinsella-Maßstab ein entsetzliches Buch, das ich vom Niveau her in die zweitunterste Schublade stecken würde. Ich glaube, nur die sog. Groschenromane haben ein noch schlechteres Niveau.

Die Protagonistin, aus deren Perspektive die Handlung erzählt wird, ging mir dermaßen gegen den Strich, dass ich mich beim Lesen manchmal für sie geschämt habe, manchmal das Gefühl hatte, meine Fussnägel würden sich nach oben rollen. Beides sind Emotionen, die ich hasse, weshalb ich diesbezüglich ziemlich nachtragend bin. Viel häufiger habe ich mir einfach nur an den Kopf gefasst. Außerdem empfand ich Katie von Anfang bis zum Schluss unglaubwürdig

Die 26-jährige Katie Brenner, ist auf einem abgelegenen Bauernhof aufgewachsen, hat Design studiert und einen Job als Aschenputtel ach nein das war Marktforschungsassistentin in einer Londoner Branding-Agentur gefunden. Ihre Arbeit wird so schlecht bezahlt, dass sie sich in London nicht mal ein Zimmer leisten kann, das groß genug ist, um einen Schrank hinein zu stellen. Es war ihr Traum, in London zu leben, aber sie lebt nicht in London, sondern existiert nur und träumt vom Leben. Das erklärt auch warum sie sich ständig mit den Leben von anderen Menschen beschäftigt; weil sie selbst kein eigenes Leben hat. Schon hier erscheint mir die Protagonistin und dementsprechend die Handlung völlig unglaubwürdig. Wäre Katie ein Landei aus dem hintersten Winkel Bulgariens oder Rumäniens, die in einer westeuropäischen Stadt unter erbärmlichen Bedingungen lebt…, kämen diese Existenzbedingungen glaubhaft rüber. Aber eine Akademikerin aus Westeuropa, in ihrem eigenen Geburtsland, kann doch unmöglich so würdelos sein. JedeR fängt mal klein an, meint Katie, die sich auf Arbeit Cat nennen lässt, aber sie wird von ihrer Vorgesetzten, der 45-jährigen Hexe, Demeter, gar nicht wahr genommen. Ihre Bemühungen, sich ins rechte Licht zu rücken, sind vergebens. Im Fahrstuhl lernt sie einen Prinz gutaussehenden Mann kennen, und es scheint zwischen den Beiden zu funken. Alex, der sehr selbstbewusst, (erfolgs-)verwöhnt und verspielt wirkt, hat es aber nicht mal nötig, sich richtig vorzustellen. Von einer Kollegin erfährt Katie später, er sei der Chef und Demeters Affaire. Auch er hat Katies Begabung und Begeisterung für Werbedesign gesehen, aber er scheint nichts und niemanden ernst zu nehmen. Plötzlich wird sie eiskalt entlassen. Der Kündigungsgrund ist nicht ganz klar. Sehr deutlich wird aber, dass Demeter und Alex ihren MitarbeiterInnen nicht einen Funken Menschlichkeit entgegenbringen. Hier hätte vom Handlungsverlauf sowie der Handlungsdichte ein Roman abgeschlossen werden können. Aber dann wäre es kein Märchen, sondern ein Drama geworden, zumindest so traurig und bitter, wie das echte Leben. Also geht es weiter. Denn ihr kennt ja alle diesen elenden und oft zitierten Spruch: Es ist erst zu Ende wenn es gut ist…

Katie hat Glück im Unglück. Ihre Eltern wollen aus ihrer Farm einen Glamping-Platz (glamping = glamour-camping) machen, weshalb sie Katie um Rat und Hilfe bitten. Katie zieht wieder in ihr Kinderzimmer ein und stürzt sich in Arbeit, indem sie die Werbung für den Glamping-Platz übernimmt sowie sich an allen Ecken und Enden nützlich macht. Aber auch damit hat der Roman noch lange nicht sein Ende gefunden, sondern die ersten 220 Seiten waren gerade erst der einleitende Teil 1.

Teil 2 wird mit den Problemen begonnen, dass die Heimkehrerin zu Hause ihre Kündigung verschwiegen hat und nicht zuletzt deshalb angestrengt aber vergeblich nach einem neuen Job sucht. Der Glamping-Platz läuft wirklich gut, weshalb es nicht lange dauert, bis die trendige Demeter, mit ihrer Familie, vor den Zelten steht. Oberflächlich, wie sie ist, erkennt sie Katie nicht wieder, und egozentrisch, wie sie ist, nervt sie auch als Urlauberin extrem. Demeters nerviges Buhlen um Aufmerksamkeit vergrößert die Gefahr, dass sie Katie doch noch erkennt und ihre Eltern von der verschwiegenen Kündigung erfahren, eröffnet aber gleichzeitig die Möglichkeit, sich an dieser Unperson zu rächen. Ich fand die Idee einer Rache erst ganz witzig, aber leider wird alles so übertrieben, dass es peinlich wird. – schlimmer noch: krank! Katie ist richtig besessen von Demeter, belauscht und beobachtet sie ständig. Fremdpeinlich ist auch Katies anmaßende Art, denn sie ist in Somerset mehr als selbstbewusst, sie mutiert zu Supergirl und erlaubt sich nicht nur über alles und JedeN permanent ein Urteil, sondern mischt sich überall ein. Z.B. nimmt sie sich heraus, Demeters Kindern (Teenagern) eine Standpauke zu halten, weil sie ihre Meinung über ihre ehemalige Chefin geändert hat. Aus der oberflächlichen, verwöhnten Egozentrikerin ist in Katies Hirn eine liebende und leidende Ehefrau und Mutter geworden. Super-bescheuert! Als wüsste eine 26-jährige, studierte Frau nicht, dass jeder Mensch mindestens zwei Gesichter hat. Trotzdem ist Katie in Somerset Supergirl.*kotz* Sie kann alles, weiss alles…
Die Gefahr, mit ihren Lügen aufzufliegen wird für Katie größer – Diese Sache ist ganz spannend – und noch größer als kurz darauf auch Alex auftaucht, der sich sofort an sie erinnert. Zwischen den Beiden funkt es wieder, oder…?

Wird Katie etwas mit Alex…?
Was ist mit Alex und Demeter?
Wird Demeter sich an Katie erinnern, sie wieder erkennen?
Wird Katies Vater von ihren Lügen erfahren?
Bleibt Katie auf dem Glamping-Platz?
Und wie geht es mit ihren Bewerbungen weiter?

All diese Fragen und noch mehr werden sich noch stellen… Die Handlung oft unrealistisch bis hanebüchen. Im Handlungsverlauf treten mehrfach unerwartete Wendungen ein, von denen ich einige unrealisch oder blöd fand.
Der Schluss zieht sich in die Länge wie ein überdimensionaler Kaugummi – ohne Geschmack versteht sich.
Katie, die vieles gelernt hat, macht natürlich alles anders und richtig.

Also für mich ist das keine Sophie Kinsella! Es war auch der letzte Roman, den ich von ihr gekauft habe. Wenn in Zukunft jedes Buch ein neues Experiment ist, leihe ich in Zukunft lieber aus der Bibliothek!

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