Beate Rygiert : Bronjas Erbe

Ich bin immer noch dabei, einen SuB mit 10-Ct.-Sonderangeboten durchzulesen. Bei „Bronjas Erbe“ geht es um die Beziehung zwischen Polen und Deutschland, PolInnen und Deutschen, Opfern und TäterInnen sowie MitläuferInnen. Es geht um Vergangenheitsbewältigung und Biografiearbeit, geschildert an einem Einzelfall, der Geschichte von Beate Rygierts Familie, in dessen Fokus ihr Vater steht. Für sich selbst wählte Rygiert den Alias Ewa Zygler und thematisiert die Besonderheiten beider Namen, derer sie sich als Kind des kalten Krieges in Westdeutschland geschämt habe. Das polnische W in Ewa, zu Zeiten in denen Polen alles andere als beliebt war, und dieses offenkundig fremde Y im Familiennamen, was ihr immer die Frage nach dem woher einbrachte. Bronja ist ihre Großmutter väterlicherseits, die Ewa als kleines Mädchen sterben sah.

Ewa hat sich Zeit ihres Lebens nicht im Geringsten für Polen interessiert, auch nicht für die Familiengeschichte, aber sie hat ihrem Vater das Versprechen gegeben, mit ihm in seine Vergangenheit, nach Polen zu reisen. Er selbst wollte auch für sich noch einmal in die ehemalige Heimat, um zu sehen was fremdgeworden und ob noch etwas von damals geblieben ist, sowie um die Verwandtschaft zu besuchen. Janek Zygler ist bei Antritt der Reise per Wohnmobil bereits Rentner und Ewa Mitte 30.

Bronjas Erbe ist der Debutroman von Beate Rygiert und wird von einem übergeordneten Erzähler, aus wechselnden Perspektiven – Janek und seiner Tochter, Ewa – erzählt.

Die Familie Zygler hat deutsche Wurzeln, leben aber in Polen, einem Gebiet, dass die Russen, Deutschen und Österreicher bis nach dem 1.WK immer wieder neu unter sich aufgeteilt hatten. Als im 2.WK die Deutschen in Polen einfallen, wird es für die Zygler lebensnotwendig deutsch zu sein. Sie werden von den Nazis als Volksdeutsche klassifiziert. Janek heisst mit elf Jahren plötzlich Johannes, sein kleiner Bruder, Pawel wird nur noch Paul genannt und aus Bronja wird Brunhilde. Johannes darf kein Polnisch mehr sprechen, keinen Umgang mit Polen haben und muss in die Hitler-Jugend. Da ein Pole sein bester Freund war, hat er sich nicht 100%ig an das elterliche Umgangsverbot gehalten, aber der Freundschaft stand noch viel mehr im Wege.

Die Schreibe von Rygiert ist nicht ganz einfach zu lesen, weil sie Gramatik und Zeichensetzung zugunsten vielfältiger Emotionen , die sie ausdrücken möchte, hinten an stellt, z.B. die Überwältigung von Erinnerungen, die auf Janek einströmen, aber anfangs bruchstückhaft sind.
Mich hat diese Vorgehensweise desöfteren beim Lesen gestört, weil meine Aufmerksamkeit / Konzentration an ungewöhnlichen Stellen hängen geblieben ist. Dennoch habe ich weiter gelesen, weil mich die Thematik interessiert hat, und es hat sich gelohnt. Auf mich trifft das Desinteresse an Polen nämlich auch ein wenig zu. Obwohl es ein Nachbarland ist, und seit langer Zeit wieder ein Reiseziel sein könnte, war ich nie dort, bin ewig nicht einmal auf die Idee gekommen. Inzwischen habe ich immerhin schon drei Bücher (mit diesem) über Polen gelesen und denke daran, vielleicht mal eine kurze Reise nach Polen zu unternehmen.

Abschließend empfehle ich euch dieses Buch. Ich habe es übrigens aus Kik, diesem verrufenen Textil-Discounter. Dort gibt es oft Bücher für 1,-€ und die Universo-Bücher wurden noch zweimal herunter gepreist, bis sie bei 10 Ct. lagen und dort wo ich zuletzt gekauft habe, sogar in einer Kiste unter ein Regal geschoben wurden.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s