Stefan Wollschläger : Friesenauge

Stefan Wollschläger ist ein Newcomer, der seine Romane als Selfpublisher über Amazons BookRix GmbH verlegt. Seine Romane kosten alle nur 1 oder 2,-€, obwohl sie zusehends besser werden.
Friesenauge ist sein neuester Ostfriesen-Krimi und der vierte Fall für Kriminalhauptkommissarin Diederike Dirks und ihren Assistenten, Kriminalkommissar Oskar Breithammer. Ich würde euch empfehlen, die Friesenkrimis der Reihenfolge nach zu lesen, weil wir das Ermittlungs-Duo in jedem Krimi etwas besser kennenlernen, ihr Privatleben sich weiterentwickelt und Wollschläger auf die bekannten Infos zurückgreift.
1. Kirmesmord (spielt in Osnabrück)
2. Friesenkunst (ab jetzt wird in Ostfriesland ermittelt und Dirks findet zurück in ihre Heimat)
3. Friesenklinik (Breithammer nun liiert)
4. Friesenauge (Dirks nun auch liiert)
Neben den Ermittlungen lernen wir Dirks Vater kennen und erfahren so einiges über ihre Vergangenheit. Wie Krimi-Fans (spätestens aus dem Fernsehen) wissen, sind Kommissare immer ziemlich verquollen und psychisch lädiert. Dirks hat sich während ihres jüngsten Falles so seltsam verhalten, dass ich vorübergehend genervt von ihr war. Erst nach vielen Seiten habe ich verstanden, warum…

Anfangs wird ein Kopf ohne Augen gefunden, allerdings nicht weil ein Hund ihn ausgebuddelt oder ein Mensch besonders wachsame Augen hätte. Nein, dieser Kopf sollte offenkundig gefunden werden. Wie grauenvoll die Präsentation und der ihr vorausgegangene Mord ist, wird besonders deutlich, da Wollschläger die ostfriesische Landschaft als sehr idyllisch beschreibt. Mit was für einer Art Täter und Tat haben wir es hier zu tun? Eine Polizeipsychologin wird zurate gezogen. Das Mordopfer kann identifiziert werden, und es stellt sich heraus, dass seine Freundin vermisst wird. Das Ermittlungsteam arbeitet unter starkem Zeitdruck, da die Befürchtung eines zweiten Mordes, an der Vermissten, naheliegt. Jede Spur bringtneue Erkenntnisse und die Kripo muss immer tiefer graben und weiter ausholen oder wieder zurück….
Von Beginn an sind bei den Szenenwechseln immer wieder Ausschnitte eines Tagebuchs zu lesen, was mir von der Idee her absolut gefällt. Die einzelnen Tagebucheinträge lassen sich langsam zu einem kleinen Bild zusammensetzen, doch wie dieses in das Gesamtbild passt, erfahren wir erst, als Wollschläger am Ende alle Handlungsstränge miteinander verbindet.

Lieblingssätze:
„Breithammer giggelte innerlich.“ 44%
„…erster Impuls war, Jeanette das Sie anzubieten.“ 59%

Der Kriminalroman ist inhaltlich sehr anspuchsvoll, sehr vielseitig und interessant. Wollschläger hat sich als Hintergrund für diesem Roman ein komplexes gesellschaftspolitisch aktuelles Thema erarbeitet. Er benutzt mehrfach Gegensätzen – ich nehme an, zur Verdeutlichung – als Stilmittel. Oben hatte ich bereits Idylle vs Grausamkeit erwähnt. Des Weiteren der scheinbare Gegensatz von Privatem und Politik und wir spüren wie nah uns ferne Länder, und die dortigen Ereignisse, infolge von Globalisierung und neuer Technik sind. Mehrfach entstehen sehr spannende Szenen und unerwartete Wendungen. Wollschläger ist meines Empfindens nach witziger geworden. Das mag jetzt seltsam anmuten, nachdem ich etwas von dem Fall erzählt habe, aber ja es gibt zwischenzeitlich Platz für Humor. Ich mag seine Art von Humor sehr.
Ein paar außergewöhnlichen Persönlichkeiten bevölkern auch diesen Krimi, was ich als belebend empfunden habe und natürlich erweitert sich so der Horizont. – Oder wusstest du bereits was ein Scrimshaw-Künstler ist?

Alles in Allem: Sehr empfehlenswert!

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