Charlotte Link : Schattenspiel

Heute mal eine Rezension, die vermutlich kein Mensch benötigt, denn das Buch ist über ein Viertel Jahrhundert alt. Schattenspiel ist der fünfte Roman der Bestsellerautorin und Tierschützerin, Charlotte Link, und erschien 1993.  Der psychologischer Spannungsroman, spielt zur Jahreswende 1989/90 überwiegend in London und New York.

Bis S. 47 werden die Personen eingeführt, was eher beschreibend als erzählend ist, sich aber trotzdem gut liest. Wir erfahren, warum David, der laut Klappentext bald sterben wird, zu seinem Charakter gekommen ist. Anfangs erscheint er gar nicht so schrecklich, wie er im Klappentext und vorne beschrieben wird. Laura ist seine junge Geliebte, die nicht zu ihm passt und in den Verdacht gerät, ihn nicht zu lieben. Gina, Natalie, Mary und Steven sind ehemalige Freunde aus Davids Internatszeit, in London. Leider werden auch Personen langwierig eingeführt, die im Verlauf kaum bis gar keine Rolle mehr spielen.

Nachdem Davids Leiche gefunden und die o.g. fünf Personen verdächtigt wurden, widmet sich der zweite Teil der Vergangenheit, insbesondere dem von David beeinflussten Schicksal der Personen. David hat vorab jede dieser Ereignisse aus seiner Sicht niedergeschrieben und für den Fall seiner Ermordung für die Kriminalpolizei hinterlegt. Nun lernen wir die vier Schulkameraden von David tiefgehend kennen, von der Kindheit bis zu dem Erlebnis mit David, dass ihr Leben jeweils aus der Bahn geworfen hat.

In Marys Fall war sein Fehlverhalten der Auslöser einer Reihe unglücklicher Geschehnisse und Entscheidungen. David hatte nicht vorhersehen können, wie gründlich Marys Leben versaut sein würde. Mary hätte aber jeden Tag entscheiden können, ihr Leben zu ändern, es selbst in die Hand zu nehmen. Viele andere Mädchen hätten sich ihr Leben einfach nicht verderben lassen, sondern Initiative gezeigt.

Im Falle von Steve war Davids Verhalten nicht eindeutig zu beurteilen. Auch Steves Leben war zerstört, zumindest sein angestrebter Lebensentwurf. Wäre Steve weniger verwöhnt und sensibel, hätte er sich eine andere Nische im Leben erkämpfen können.

Im Falle von Natalie stand Davids Verhalten – wie auch schon bei den beiden anderen – wieder im Zeichen der Panik. Dennoch ist es fast unmöglich, Verständnis für ihn aufzubringen, geschweige denn ihm zu verzeihen. Natalie ist eine besonders intelligente, begabte und karrierebewusste Journalistin in ihrem ersten Job. Letztendlich gerät sie durch David in eine Psychose und ihr Beruf steht auf der Kippe.

Nur Gina fehlt noch. Sie weiß, was David ihren Internatsfreunden angetan hat. Am liebsten, würde sie nie wieder etwas mit ihm zu tun haben, zumal sie sich mit den beiden Jungs aus der Clique nie befreundet gefühlt hat. Als David sich bei ihr meldet, empfängt sie ihn, um ihn nicht zu verärgern. Da er Ginas Unbehagen und Ablehnung bemerkt, bedroht er sie – jedenfalls fühlt sie sich bedroht. Aber hat er wirklich drohen wollen oder wollte er sie nur erschrecken, weil er sich abgelehnt fühlte, oder war es einfach nur Geschwätz von ihm?

Im dritten Teil wird die Biografie der vier Freund nach der schicksalhaften Wende weitererzählt. Was haben sie aus sich gemacht oder machen lassen.

Der Roman wird aus einer übergeordneten Perspektive erzählt. Das fiel mir beim Lesen immer wieder auf, weil es heute weitgehend üblich ist aus eine Ich-Perspektive zu schreiben. Die Teile über Personen, die nicht in oder um ihr Leben kämpfen, sondern alles hinnehmen und höchstens darüber jammern, wirkten auf mich wesentlich langweiliger und uninteressanter als die Kapitel von aktiven, kämpferischen Personen. Ich glaube, die meiste Zeit wurde Gina gewidmet, die meiner Meinung nach auch die interessanteste Person ist. Die Sprünge durch Zeiten und Orte sind gut verständlich.
S.398 vorhersehbar (Entwicklung von Steve)
S.323 vorhersehbar
S.387 unerwartete Wendung
S.391 Ich spüre etwas, ein Unbehagen, und ahne eine weitere Wendung, die mich dann nicht so unerwartet treffen würde, wie sie es wohl sollte.
S.392 genau die (un-)erwartete Wendung trifft ein
Der Roman ist außergewöhnlich lang, aber ich war relativ schnell drin und irgendwann hat sich so ein Gefühl eingestellt, mit dem ich wohl ewig weiterlesen gekonnt hätte.

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