Eva Völler

Buchcover der Romanrikkomödie Ich bin alt und brauche das Geld Eva Völler : Ich bin alt und brauche das Geld

Diesen Roman habe ich in einem öffentlichen Bücherregal gefunden und zugegriffen, da Eva Völler mich mit „Zeitenzauber“ (insb. Bd. 1) begeistert hat. Allerdings kommt „Ich bin alt und brauche das Geld“ nicht mal ansatzweise an das Niveau und den Unterhaltungswert von „Zeitenzauber“ heran. Vielmehr handelt es sich bei dieser die Romantik-Komödie um extrem leichte Kost, und das schreibe ich nicht nur weil ich zuvor ein Buch über die Arbeit im Hospiz und eines über einen biblischen Mythos gelesen habe. Mehr noch würde ich euch sogar abraten, diese RomKom zu lesen, weil die Handlung nicht nur unrealistisch bis irrwitzig, sondern auch naiv bis unangenehm blöd ist.

Charlotte ist eine 49-jährige, frisch getrennte und zwangsgeräumte Frau, die plötzlich ohne Arbeit, Geld und Wohnung da steht. Einem Heiratsschwindler in die Hände zu fallen, kann passieren, aber die vom Vater geerbte Weinhandlung, die Jahrzehnte Lebensinhalt und -unterhalt bedeutet hat, zu verkaufen um dem Kerl haufenweise Geld borgen zu können, wirkt schon sehr dämlich und etwas unrealistisch. Charlotte kommt erst mal bei einer Freundin unter, auf deren Couch sie sich die Augen aus dem Kopf heult. Weiterhin sehr unrealistisch ist, dass Charlotte trotz Mangel an bezahlbarem Wohnraum in der Innenstadt deutscher Großstädte, der auch erwähnt wird, sehr schnell eine – wenn auch eher schlechte – Wohnung findet. Aber es wird noch unrealistischer und naiver. Die Wohnung in der Frankfurter Innenstadt befindet sich in einem Wohnhaus mit einer traumhaften Mietergemeinschaft. Die Bewohnenden lernen sich unkompliziert kennen, laden sich gegenseitig ein, helfen einander… Das ist aber noch lange nicht der Höhepunkt von Charlottes Heile-Welt-Entwicklung. Auch der Hausbesitzer wohnt dort, ein Drehbuchautor, der sich natürlich in Charlotte verliebt, und als er ihr beim Renovieren hilft, freiwillig ihre Wohnung modernisiert. Und Charlotte? Schon klar, nachdem ein Heiratsschwindler ihr Leben ruiniert hat, verliebt sie sich gleich wieder. Der romantische Handlungsstrang ist nicht nur unrealistisch, sondern auch völlig vorhersehbar und extrem langweilig.

Auch der Haupthandlungsstrang ist an Naivität und Blödheit noch lange nicht am Ende. Trotz ihrer desaströsen Lage geht Charlotte zur Trauerfeier ihres inzwischen verstorbenen Heiratsschwindlers und obwohl sie weiß, dass es bei ihm nichts zu erben gibt, geht sie auch zur Testamentseröffnung. Sie lernt dabei Jennifer, die Tochter ihres Ex und dessen beide Enkel kennen. Eine Kontaktbereitschaft oder -freude, die in dieser Situation nur schwer nachvollziehbar ist, auch wenn Charlotte gelernte Erzieherin ist und die beiden Kinder ziemlich goldig sind. Aber das ist noch nicht alles. Jennifer steht kurz nach der Testamentsverlesung mit ihren Kindern und dem Aupairmädchen vor Charlottes neuer Wohnung, um die ganze Bagage dort abzuladen, da sie verreisen will. Selbstverständlich ist Charlotte nicht nur so blöd, die Wohnungstür zu öffnen, sondern auch noch so beschränkt sich die beide Kinder und das Aupairmädchen aufs Auge drücken zu lassen. Mit dieser Situation ist zwar ein angenehmes Chaos in Charlottes Leben geschaffen, aber wie es dazu kam ist einfach zu bescheuert.

Das Leben von Charlotte, als Oma, mit einem fünfjährigen Mädchen und einem dreijährigen Jungen ist dann aber ziemlich nett und schön beschrieben, so dass dieser Teil des Romans angenehm unterhaltsam ist.

Richtig bescheuert wird es dann noch mal zum Schluss. Jennifer will Charlotte für „ihre Dienste“ bezahlen, wenigstens den Aufwand entschädigen, aber die ehrenwerte und selbstlose Charlotte lehnt jedes Geld ab. Natürlich hat sie inzwischen auch – trotz ihres hohen Alters – eine neue Arbeit gefunden und verdient sehtr gut. Dazu kommt noch ein Nebenhandlungsstrang, in dem es um Geld geht, dass der Heiratsschwindler gebunkert hat. Auch dieses Geld will Charlotte nicht. Sie ist eine Heilige! Ich glaube, jedeR Mensch fasst sich in diesen Situationen nur genervt an den Kopf.

Die Handlung wäre, abgesehen vom angespannten Wohnungsmarkt, zeitlos, hätte Völler Jennifer nicht als Bloggerin entworfen. Somit stellt der Mama-Blog noch einen Nebenhandlungsstrang dar, der aber meiner Meinung nach für die Rezension keiner weiteren Beachtung bedarf. Ich habe diesen Handlungsstrang, über Jennifer, immer als uninteressant und überflüssig empfunden – vermutlich weil sie als Personen nicht wirklich eingeführt wurde.

Von Eva Völler werde ich höchstens noch mal ein Buch lesen, wenn ich zuvor überwiegend sehr gute Kritiken dazu finde. Unglaublich, dass eine Autorin so extreme Schwankungen im Niveau aufweist.

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