Jenna Strack Sternwärts

Buchcover des Romans SternwärtsDer Roman ist mir durch eine Empfehlung aufgefallen. Sternwärts ist der vierte Roman von Strack und kann als Fortsetzung (von Splitterleben) aber auch als alleinstehender Roman gelesen werden.
Es geht um die 17+3-jährige Anh, die zur Lebensretterin berufen wurde. Seit drei Jahren bekommt sie suizidale Menschen anvertraut, um diese von der Selbsttötung abzubringen. Anh, die selbst im zarten Alter von 17 Jahren aus dem Leben gerissen wurde, hat weder Verständnis für eine derartige Missachtung des Lebens noch für deren Gipfel, den Suizid.
Das „Leben“ nach dem Tod hat Vor- und Nachteile. Z.B. ist die Untote für Menschen unsichbar und kann daher tagelang im Kino bleiben. Aber sie kann keine Tür öffnen, keinerlei Dinge in die Hand nehmen und somit auch nicht autark lesen.
Bei Anhs aktuellem Klient handelt es sich um einen Freund von einer Freundin. Aber das ist nicht die einzige Besonderheit von Jona. Überraschenderweise – für Beide – kann Jona sie sehen, hören und anfassen, also fühlen. Eine weitere überraschende Besonderheit ist Anhs Unvermögen, auf Jonas Gehirn – Gedanken, Erinnerungen etc. – zuzugreifen.

Eine schöne Idee, nicht wirklich extrem ausgefallen, aber auch noch lange nicht abgegriffen. Anfangs fand ich das Buch nur ganz nett, weil es mich nicht angesprochen, geschweige denn berührt, hat. Ab etwa 28% fand ich den Roman interessant und bei ca. 43% hat Strack es geschafft, mich so zu packen, dass ich das Buch eine zeitlang nicht aus der Hand legen wollte. Aber dieses Gefühl hielt leider nur bis ca. 65% an. Ich habe eine Weile überlegt, was mir da so unangenehm aufgestoßen ist. Ich denke, diese Art wie Anh mit Jona spricht, um ihm den Suizid auszureden, empfinde ich als eine sehr anmaßende und übergriffige Zumutung. Sie nimmt sich heraus, über Jona, seine Mutter und Großmutter zu urteilen, obwohl sie niemanden davon wirklich kennt. Vermutlich kommt ein Plädoyer für das Leben bei den meisten Lesenden gut an, aber so in dieser Art gefällt es mir nicht. „…das werde ich sicher nicht ändern, nur weil du dich lieber in anderer Probleme einmischt, als dich um deine eigenen zu kümmern.« »So wie du, hm?«“ (76%) Diese Antwort hätte von mir sein können.

Im letzten Teil überraschte Strack mit einer unerwarteten Wendung und das Ende birgt auch noch mal eine Überraschung. Nur leider gibt es dann noch einen viel zu langen Epilog, in dem alles Happy-End-mäßig schön und noch schöner wird.

Die Schreibe von Strack hat mir überwiegend gut gefallen. Der Roman lässt sich leicht und zügig lesen. Sehr gut finde ich, dass es bei ihr weder Dehnungen durch anstrengendes Detailwissen noch durch Laberei gibt. Es waren einzelne Stellen im Text, die mir mal mehr und mal weniger aufgestoßen sind, z.B. das Wort „Positivität“ 87% oder dieser Logikfehler 68% : „Hätte Jona die Tür nicht sperrangelweit aufgelassen, hätte ich nichts weiter tun können, als in seiner Wohnung zu sitzen und darauf zu warten, dass er zurückkommt. Was er nicht getan hätte.“ Die Autorin lässt Anh davon ausgehen, dass niemensch seine Wohnungstür offen stehen ließe, wenn er/sie zurückkommen wollen würde. Natürlich fallen auch besonders schöne Formulierungen auf, wie z.B. „Es wäre ein schöner Gedanke, mit Jona im Herzchenwald umherzutapsen und nie mehr den Weg zurück in seine kalte schmerzhafte Welt zu finden.“ S. 76 … 56%
Alles in Allem ist Sternwärts ein schöner Roman für wenig Geld. Bei dem Preis von 1,99€ für 132 Seiten sehe ich keinen Grund zur Unzufriedenheit. Aber dabei werde ich es auch belassen. Noch ein Werk von ihr werde ich mir aber (vorerst) nicht bestellen.

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