Projekt Empathie

Buchcover des Romans Projekt EmpathieLeander Rose : Projekt Empathie

Durch eine Empfehlung wurde ich auf dieses eBook aufmerksam, und da es nur 1,-€ kostet, sprach nichts dagegen, diesen interessant wirkenden Roman zu kaufen.
In diesem Buch geht es um die Gegenüberstellung zweier Teilbiografien und dreier Lebenswege, die nicht unterschiedlicher sein könnten. Trotz Romanform ist die Handlung „nicht fiktiv. Ich habe es erlebt, habe sie getroffen.“ S.352 – 98% Die Geschichte von Samir steht stellvertretend für das Schicksal vieler Geflüchteter. Der Medizinstudent, Samir, flieht aus Damaskus, in Syrien, vor dem Krieg. Während dieser schweren Zeit hat er alles verloren – seine Verlobte, seine Familie und Freunde, sein Studium und seine materiellen Besitztümer. Als er in Deutschland eintrifft, trägt er eher Lumpen als Kleidung und hat seit zwei Tagen nichts gegessen.

Die privilegierte Studentin, Maya, ist trotz Reichtum unglücklich. Von ihren Eltern erhält sie weder Interesse noch Liebe. Freundschaften unterhält sie nicht. Zwischen den Gleichaltrigen ihres Milieus, in Frankfurt, geht es nur um Status, Erfolg, Karriereplanung, Ansehen und das Freizeitverhalten besteht aus Konsum. Als Maya dann auch noch von ihrer großen Liebe enttäuscht wird, entschließt sie sich spontan zum Selbstmord, der ihr aber misslingt. Durch den Suizidversuch gerät sie ins Visier ihrer sozial engagierten und von der Familie verschmähten Großmutter. Diese möchte Maya einen Blick über den Tellerrand ermöglichen, in der Hoffnung, sie dadurch auf einen besseren Lebensweg zubringen. Mit dem Erbe als Druckmittel zwingt sie Maya ½ Jahr, ehrenamtlich in einem Flüchtlingsheim zu arbeiten.

Maya aus Frankfurt und Samir aus Damaskus lernen sich in einer Erstaufnahme-Einrichtung für Geflüchte in Gießen kennen. Beide sind dort neu und unfreiwillig. Maya fühlt sich fehl am Platz und unangenehm berührt, von den Zuständen und Schicksalen. Eines dieser Schicksale gehört Samir, der verängstigt, desorientiert, durchgefroren und sehr hungrig in Gießen eingetroffen ist, und bei der Eingangsuntersuchung feststellen musste, infolge der traumatischen Kriegserlebnisse, sein Gedächtnis verloren zu haben.

Maya merkt bald, dass ihre Kollegen die freiwillige Arbeit gerne machen und sie als sinnvoll und wichtig empfinden. Stück für Stück informiert sich Maya über die neuen Themen in ihrem Leben, und wir Lesenden haben an diesen Informationen Anteil. Was sind die Argumente für eine deutsche Willkommenskultur? Was bedeutet die Imigration für die deutsche Wirtschaft…? Weltwirtschaft, Islam u. s.w.

Ich hatte beim Lesen lange befürchtet, dass Maya plump und bilderbuchmäßig in Dankbarkeit für ihr Leben als reiche Deutsche verfällt und dann glücklich und zufrieden bis an ihr Lebensende soziale Arbeit verrichtet. Doch so verläuft die Story glücklicherweise nicht. Maya hat sich nicht für ihr privilegiertes Unglück geschämt, sondern für ihre anfangs nicht sehr freundliche Art. Sie hat bald ihr bisheriges Leben – u.a. soziales Umfeld, Meinungen, Geldverschwendung – als falsch und Ursache für ihr Unglück erkannt. In dieses Leben möchte sie nicht zurück, diesen falschen Weg nicht weiter gehen. Also ändert sie sich und ihr Leben, was in ihrem Fall gut möglich ist. Über sich selbst sagt Leander Rose jedoch: „Mich mit dem Leid der Menschen aus Kriegsgebieten auseinanderzusetzen hat mich erkennen lassen, wie wundervoll mein Leben ist. Ich bin sehr viel Dankbarer geworden und dadurch sehr viel Positiver, Gelassener und vor allem Glücklicher.“ S.354 – 99%
Gut, dass sie erst im Schlusswort ihre persönliche Meinung und Entwicklung kund tut, denn diese Botschaft finde ich ziemlich daneben. Natürlich gibt es in West-Europa auch Jammern auf hohem Niveau und verwöhnte Dauernörgler, aber ganz sicher haben auch viele Menschen in den westeuropäischen Ländern mehr als genug Gründe, unglücklich zu sein. Das Leben eines westeuropäischen Armutsbetroffenen wird nicht plötzlich besser, schön oder glücklich, weil Imigranten durch Krieg und Flucht alles verloren haben. Das Essen schmeckt nicht besser, weil andere Menschen Hunger leiden. Ein kranker Mensch wird nicht plötzlich gesund, weil es Geflüchteten noch schlechter geht. Eine verschimmelte Bruchbude wird nicht zum Palast, weil andere Menschen keinen eigenen Mietvertrag oder nicht mal ein Zimmer für sich haben. Diese Relativierungen finde ich schlimm! Jemand, der an seinem Leben etwas ändern kann, z.B. auf Geld oder Wohnraum verzichten, hat die Möglichkeit sich bewusst zu werden, wie gut es ihm mit diesem Wohlstand geht und wie wohltuend es ist, anderen Menschen zu helfen und somit etwas Gutes zu tun. D.h. nicht alle Menschen über einen Kamm scheren! Auch enthüllt Rose im Schlusswort, dass sie wie Maya wachgerüttelt wurde. „…wie Maya wurde auch ich durch das Schicksal der vielen Kriegsflüchtlinge auf meine eigenen Verfehlungen aufmerksam.“ S.351 – 98%

Ich habe Projekt Empathie gerne und beinahe zügig gelesen. Ich mochte die Protagonisten und fand sie, sowie die Handlung, emotional ansprechend. Der Plott ist einfach aber trotzdem gut konzipiert.
An vielen Stellen fand ich das Buch sehr interessant. Z.B.
Die Erstaufnahme der neu eingetroffenen Flüchtlinge, mit Identitätsfeststellung, Dokumenten, medizinischer Untersuchung
und
Samirs dissoziative Amnesie.
Auch einzelne Aussagen geben Preis, dass die Autorin wirklich Ahnung hat. So z.B. Es geht um Krankheiten von der Straße. Viele Menschen sagen, man müsse sich nur sauber halten, aber das reicht leider nicht.: „…auf der offenen Straße schlafen. Leider ist dies nicht der sauberste Ort und so etwas würde an keinem Menschen spurlos vorbeigehen.“ S.147 – 41% Seit einigen Jahren gibt es Großraumzelte als Notunterkünfte. „Dicke Schläuche zogen sich durch die Zeltwände und Jussuf erklärte ihm, dass sie so heiße Luft in das Zelt pusteten, um es innen warm zu halten. Das Problem mit den Dingern ist nur, dass diejenigen die davor schlafen vor Hitze vergehen, während die weiter weg trotzdem frieren.“ S.166 – 46%
Die reichen kapitalistischen Länder sind an der Armut der sog. Entwicklungsländer, der sog. Dritten Welt, Schuld: „…diverse Unternehmen Wasserquellen in afrikanischen Dörfern aufkauft, diese für ihre Softdrink Produktion verwendet und den Dorfbewohnern somit ihre Lebensgrundlage entziehen.“ S. 294 – 83%
Ich habe aber auch Kritik. Der Roman enthält inakzeptabel viele, darunter auch sehr schlimme Fehler, durch die mein Lesefluss deutlich beeinträchtigt wurde. Es handelt sich nicht nur um Tipp- und Flüchtigkeitsfehler sondern auch Grammatik- und Rechtschreibschwächen bis hin zu Wortverwechslungen (viel und fiel). Eigentlich ist es eine Zumutung für einen dermaßen fehlerhaften Roman Geld zu bezahlen. Damit deutlich wird, was ich meine, habe ich einige Fehler notiert. Aufgrund der Vielzahl dieser Fehler habe ich mit diesen Notizen recht bald wieder aufgehört. S. 26 – 7% aus statt auf: „Die ganze Luft entwich auf Samirs Körper…“
S. 29 – 8% Attribute werden klein geschrieben: „… ein sehr Armes aber dennoch stark Bewohntes Viertel.“
S. 30 – 8% viel anstelle fiel: „… viel ihm schwer.“
S.71 – 19% Hier fehlt das n: „Maya glaubte, sie zu kenne.“
S.74 – 20% Von der Unvollständigkeit des Satzes abgesehen, wird dass mit ss geschrieben: „Das diese Dinger ihr einmal nützlich sein würden.“
S.92 – 25% Verben werden klein geschrieben: „Noch immer Begriff Maya den Grund ihres erneuten Besuches nicht.“
S.97 – 26% Groß-/Kleinschreibung und Nominalisierung: „Vermutlich wollte sie dem Trübsinnigen an die Decke starren, ein Ende setzen…“
S.115 – 31% Buchstabendreher: „Es wurde schnell dunkle in diesem Land…“
S.118 – 43% Rechtschreibung: „… Hand, die sie grobe ergriff…“
Ihr seht also, dass es nicht nur die Autokorrektur war, sondern Fehler von Flüchtigkeit bis zur Verwechslung von viel und fiel.

Eine überarbeitete Version des Romans würde ich euch gerne empfehlen. Durch die vielen Fehler kann ich es leider nicht mit gutem Gewissen empfehlen.

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2 Gedanken zu “Projekt Empathie

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