Gefährliche Empfehlungen

Tom Hillenbrand : Gefährliche Empfehlungen. Ein kulinarischer Krimi. Xavier Kieffer ermittelt.

Das Buch ist erst ca. 1 Jahr alt, und hat 2017 bereits die 2. Auflage erreicht. Der beliebte Restaurantfüher, Guide Gabin, hat, in Frankreich, neue Redaktionsräume bezogen und lädt zur Vernissage. Alle Ausgaben des Guide Gabins sollen auf dem Event ausgestellt werden und hochrangige Gäste, bis zum Präsidenten Frankreichs, sind eingeladen. Ein Stromausfall, der vor Ort nicht von einem Anschlag unterschieden werden konnte, beendete die Feier, der Präsident wurde von seinen Personenschützern in Sicherheit gebracht, und zwei Ausgaben des Guide Gabin fehlen. Insbesondere die Ausgabe von 1939 scheint einen ungeheuren Wert zu haben. Der Bibliothekar, der die seltenen Ausgaben verliehen hatte, ist ermordet worden. (Leider erst auf S.56ff) Der Präsident bittet – und das ist wirklich kein Witz – einen (ehemaligen Sterne-)Koch, zu ermitteln. Was es mit der 1939er-Ausgabe auf sich hat, ist durch zwei Zeitsprünge, in den Zweiten Weltkrieg, zu erraten. Die story spielt überwiegend in Frankreich und zum Teil in Luxemburg. Da ich beide Länder eher schlecht als recht kenne, hatte ich nie so etwas wie einen Aha- oder Wiedererkennungseffekt. Diese stellen sich eher durch die universelle, moderne Technik, wie Laptop, Smartphone und Tablet-PC, ein. Kulinaristik, auch auf Sterne-Niveau, finde ich zwar interessant, sehe mich bei diesem Thema aber auch nur als randständige Beobachterin. Allerdings interessieren mich die beste Methode, ein Spiegelei zu braten (S.38), und ähnliche Details, eher nicht. Dennoch lässt sich der Roman leicht und schnell ‚runterlesen, wenn mensch etwas Ruhe, Konzentration und Muße aufbringen kann. Leider hat mich dieser kulinarische Krimi im ersten ¼ nicht angesprochen, geschweige denn ergriffen. Eine Lektüre, die nur ganz nett ist lese ich nicht fertig, weil in meinem SuB sehr viele Bücher warten, von denen ich mir mehr verspreche. Diesen Krimi schicke ich also nach 100 Seiten wieder auf Reisen.

Dennoch hst es für zwei Lieblingszitate gereicht:
„Warum eröffnet jemand wie Hanschuh weitere Restaurants, Bistros und Bars? Vermutlich handelt es sich um eine Form der Geisteskrankheit.“ S.37
„Zweitens waren diese neuen Computer und Handys von sehr schlechter Qualität. Er hatte neulich gesehen, wie ein paar Spritzer Balsamico ausgereicht hatten, um Claudines Smartphone in Elektroschrott zu verwandeln.“ S.69

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Jenna Strack Sternwärts

Buchcover des Romans SternwärtsDer Roman ist mir durch eine Empfehlung aufgefallen. Sternwärts ist der vierte Roman von Strack und kann als Fortsetzung (von Splitterleben) aber auch als alleinstehender Roman gelesen werden.
Es geht um die 17+3-jährige Anh, die zur Lebensretterin berufen wurde. Seit drei Jahren bekommt sie suizidale Menschen anvertraut, um diese von der Selbsttötung abzubringen. Anh, die selbst im zarten Alter von 17 Jahren aus dem Leben gerissen wurde, hat weder Verständnis für eine derartige Missachtung des Lebens noch für deren Gipfel, den Suizid.
Das „Leben“ nach dem Tod hat Vor- und Nachteile. Z.B. ist die Untote für Menschen unsichbar und kann daher tagelang im Kino bleiben. Aber sie kann keine Tür öffnen, keinerlei Dinge in die Hand nehmen und somit auch nicht autark lesen.
Bei Anhs aktuellem Klient handelt es sich um einen Freund von einer Freundin. Aber das ist nicht die einzige Besonderheit von Jona. Überraschenderweise – für Beide – kann Jona sie sehen, hören und anfassen, also fühlen. Eine weitere überraschende Besonderheit ist Anhs Unvermögen, auf Jonas Gehirn – Gedanken, Erinnerungen etc. – zuzugreifen.

Eine schöne Idee, nicht wirklich extrem ausgefallen, aber auch noch lange nicht abgegriffen. Anfangs fand ich das Buch nur ganz nett, weil es mich nicht angesprochen, geschweige denn berührt, hat. Ab etwa 28% fand ich den Roman interessant und bei ca. 43% hat Strack es geschafft, mich so zu packen, dass ich das Buch eine zeitlang nicht aus der Hand legen wollte. Aber dieses Gefühl hielt leider nur bis ca. 65% an. Ich habe eine Weile überlegt, was mir da so unangenehm aufgestoßen ist. Ich denke, diese Art wie Anh mit Jona spricht, um ihm den Suizid auszureden, empfinde ich als eine sehr anmaßende und übergriffige Zumutung. Sie nimmt sich heraus, über Jona, seine Mutter und Großmutter zu urteilen, obwohl sie niemanden davon wirklich kennt. Vermutlich kommt ein Plädoyer für das Leben bei den meisten Lesenden gut an, aber so in dieser Art gefällt es mir nicht. „…das werde ich sicher nicht ändern, nur weil du dich lieber in anderer Probleme einmischt, als dich um deine eigenen zu kümmern.« »So wie du, hm?«“ (76%) Diese Antwort hätte von mir sein können.

Im letzten Teil überraschte Strack mit einer unerwarteten Wendung und das Ende birgt auch noch mal eine Überraschung. Nur leider gibt es dann noch einen viel zu langen Epilog, in dem alles Happy-End-mäßig schön und noch schöner wird.

Die Schreibe von Strack hat mir überwiegend gut gefallen. Der Roman lässt sich leicht und zügig lesen. Sehr gut finde ich, dass es bei ihr weder Dehnungen durch anstrengendes Detailwissen noch durch Laberei gibt. Es waren einzelne Stellen im Text, die mir mal mehr und mal weniger aufgestoßen sind, z.B. das Wort „Positivität“ 87% oder dieser Logikfehler 68% : „Hätte Jona die Tür nicht sperrangelweit aufgelassen, hätte ich nichts weiter tun können, als in seiner Wohnung zu sitzen und darauf zu warten, dass er zurückkommt. Was er nicht getan hätte.“ Die Autorin lässt Anh davon ausgehen, dass niemensch seine Wohnungstür offen stehen ließe, wenn er/sie zurückkommen wollen würde. Natürlich fallen auch besonders schöne Formulierungen auf, wie z.B. „Es wäre ein schöner Gedanke, mit Jona im Herzchenwald umherzutapsen und nie mehr den Weg zurück in seine kalte schmerzhafte Welt zu finden.“ S. 76 … 56%
Alles in Allem ist Sternwärts ein schöner Roman für wenig Geld. Bei dem Preis von 1,99€ für 132 Seiten sehe ich keinen Grund zur Unzufriedenheit. Aber dabei werde ich es auch belassen. Noch ein Werk von ihr werde ich mir aber (vorerst) nicht bestellen.

Tess Gerritson : Der Schneeleopard

wpid-img_20150125_201314.jpgBeim Bummeln habe ich dieses Buch, im Hugendubel, im Sonderangebot gesehen. Allerdings habe ich mein Exemplar in einem der unzähligen Bücher-Tausch-Regale unserer Stadt gefunden. Es handelt sich also um einen KrimiThriller, der noch nicht alt und für euch alle erreichbar und erschwinglich ist. Insofern kann ich den Schneeleoparden gut und gerne weiterempfehlen.

Thriller? Ja, genau mein Ding! Spiegel-Bestseller? Ok, obwohl mich dieses Prädikat oft enttäuscht hat, bekam das Buch seine Chance von mir und im Endeffekt bin ich froh darüber. Schneeleopard? Ja, das scheint mal was völlig Anderes zu sein. Rizzoli und Isles sagte mir gar nichts. Nun bin ich informiert und möchte ich euch nicht vorenthalten, dass „Der Schneeleopard“ bereits der elfte Fall von Jane Rizzoli und Maura Isles ist. Dennoch kann der Roman als alleinstehender Thriller, ohne Vorkenntnisse, gelesen werden, denn es wird nur hin und wieder auf vorhergehende Fälle angespielt. Die Privatangelegenheiten von Detective Rizzoli oder der Rechtsamedizinerin, Dr. Maura Isle, werden zum Glück nicht tiefergehend ausgebreitet. Dies empfinde ich aus zwei Gründen als Glück – zum einen weil ich keinen der zehn vorhergehenden Thriller um Jane Rizzoli und Maura Isles kenne und zum Anderen mag ich es nicht, das Leben der Polizeikräfte (ungebeten, denn schließlich interessiere ich mich für das Rätsel, die Schurken und das Thema oder Setting) unter die Nase gerieben zu bekommen. Dennoch sind beide Frauen sehr sympathisch und ich konnte mir Beide sehr gut vorstellen.

Gleich die 1. Szene, in Afrika, hat mich angesprochen und neugierig auf die Story gestimmt. Uns Lesenden wird eine sympathische, neun-köpfige Reisegruppe, bestehend, aus 5 Männern und 4 Frauen, vorgestellt. – Zwei Liebespaare, eines davon aus London, das andere aus Japan, zwei sexy Blondinen aus Südafrika, zwei Reisebegleiter und einem Single-Mann, namens Elliot. Diese TouristInnen sind nicht nur fast alle sympathisch, sondern sind in ein außergewöhnliches Setting eingebettet, denn sie haben eine besondere Reise – eine Safari durch den Busch – gebucht … .
317ff hat Gerritsen es endlich geschafft, meine Tränen über die Wangen rollen zu lassen.

Die Afrika-Kapitel werden immer aus der Ich-Perspektive der Buchhändlerin, Millie, erzählt. Sie ist nur ihrem Lebensgefährten zuliebe mit dieser Reise einverstanden gewesen, wollte keine Spassbremse sein und ihn nicht verlieren. In Afrika musste sie dann aber feststellen, dass ihre Beziehung nicht mehr zu retten ist. Wie dem aber auch sei, hat das Schicksal etwas ganz anderes mit Millie, ihrem Richard und den anderen Touries vorgesehen.
Die aktuellen Handlungsstränge, überwiegend aus den USA, sind aus einer übergeordneten Erzählperspektive geschrieben. Afrika wurde nur noch selten als Mini-Kapitel eingestreut.

In den USA müssen besondere Morde aufgeklärt werden. Der Mörder hängt seine Opfer auf und entfernt ihre Innereien. Diese rituelle Methode des Tötens geschieht auf der ganzen Welt nur selten, so dass weltweit ermittelt werden muss.

Die Einteilung in sehr kurze oder auch kleinen Kapitel fand ich befremdlich.
Ebenfalls kritisierenswert ist die detailverliebtheit der Autorin, v.a. wenn es um fachliches Wissen geht. Z.B. S.194-200 geht es um die – ausschließlich mikroskopisch zu sehende – Beschaffenheit eines Tierhaares, das am Tatort gefunden wurde. 6 Seiten nur über ein Haar. Wie interessiert muss denn einE LeserIn sein, um diese Abhandlung gerne zu lesen?!
Ein weiterer Kritikpunkt ist es, bereits auf S.293 zu wissen, wer von der Reisegruppe überlebt.
Noch mehr missfallen hat mir der Eindruck, kriminalistische Rätsel scheint für die Lesenden viel zu früh gelöst zu sein. Dadurch sinkt die Motivation weiter zu lesen, weil scheinbar nur noch die Motivation zu enträtseln bleibt. Doch es lohnt sich weiter zu lesen, denn es ist nicht alles so, wie es auf den ersten Blick scheint. Der Krimi steckt noch bis zum Ende voller Überraschungen.

Stephenie Meyer: Seelen

Das Buchcover von SeelenDieses Buch hatte ich bereits einige Zeit im Geiste vorgemerkt. Als ich den 900-Seiten-Wälzer dann im Sonderangebot für 3,-€ sah, griff ich zu. Nun dauert es bei mir immer ein Weilchen, bis ich so einen dicken Schinken vom SuB zum cr befördere, weil es ja wohlweislich eine ganze Weile dauert, die 900 Seiten zu lesen. Mein Buch enthält nach der 850. Seite Bonusmaterial, und zwar: 1. ein zusätzliches Kapitel, das Meyer als „Vielleicht“ für die Verfilmung geschrieben hat; 2. ein Interview mit Meyer zu diesem Werk und 3. Meyers kommentierte Playlist, mit der Musik, die die im Schaffensprozess gehört hat.
Seelen ist laut Meyers eigener Aussage nur ein halber Science-Fiction, weil einerseits Außerirdische, nämlich die Seelen, die Erde besiedeln, aber andererseits die Erde, konkret die USA, Schauplatz der Handlung ist und es überwiegend um die Natur und Eigenarten der Spezie Mensch geht.
Seelen sind friedliche, harmoniesüchtige Wesen, die einen Körper zum Überleben benötigen. Auf der Erde übernehmen die Seelen Körper von Menschen als Wirt. Auf anderen Planeten nutzen sie Blumen, Fledermäuse, Seetang… als Wirtskörper, auf der Erde sind es die Menschen. Wie die Okkupation genau funktioniert werde ich hier nicht erläutern. Die Menschen sind vom Aussterben bedroht. Einige kleine Gruppen konnten sich vor den Seelen und der Übernahme verstecken. Im Fall unserer Hauptpersonen leistet Melanie geistigen Widerstand gegen die Seele, namens Wanda. Es sind also zwei Persönlichkeiten in Melanies Körper. Die Wanda bewegt den Körper und trifft Entscheidungen, baut aber auf Melanies Erinnerung und den damit verknüpften Emotionen auf. Zwar hat die Seele auch eigene Erinnerungen, nicht aber von der Erde oder gar aus der Menschenwelt. Beide sehen durch die selben Augen, riechen mit der selbrn Nase. So entwickelt sich eine ganz interessante story, von der ich hier nicht viel mehr verraten möchte.

Mein Leseerlebnis war gut. Ich habe den Roman von Anfang bis Ende als interessant empfunden. Gefehlt hat mir Spannung und ich fand das Buch leider an keiner Stelle so ergreifend, dass ich es nicht mehr aus der Hand legen wollte. Meyer hat einen einfachen, aber niveauvollen Schreibstil, so dass ich zügig lesen konnte. Sie beschreibt alles sehr genau, labert aber nicht. Das o.g. Bonusmaterial hat mir auch gut gefallen. Alles in Allem fand ich „Seelen“ gut aber nicht sehr gut.

Wie der Wind verloren ging

​Nina Leisten : Wie der Wind verloren ging
Dieses Buch ist die Fortsetzung von, meinem zuletzt rezensierten Fantasyroman, „Wie der Wind die Liebe fand“, und hat nur 2-3,-€ gekostet. Wie in der letzten Rezension berichtet, hatte ich den 2. Band vorschnell bestellt, aber gelesen habe ich ihn trotzdem. Wieder geht es um die Lovestory von Lilou und Ford. Beide entwickeln sich weiter, so dass Ford nicht mehr 100% von Lilous Gedanken ausfüllt. Wie auch im 2. Teil von Band 1 steht es phasenweise schlecht um die Liebe von Lilou und Ford. Daher macht Lilou eine schwere Zeit durch und ist dementsprechend viel ernster und wirkt erwachsener, als wir sie bisher kennen. Dennoch sind auch in diesem Band die meisten Charaktere sympathisch. Ebenso unverändert ist Leistens frische, lockere Art, ihre ProtagonistInnen miteinander umgehen zu lassen. Das ist einfach schön zu lesen.

In einem anderen Handlungsstrang wird die Sache um die Nebelläufer weiter verfolgt und eine völlig neue Perspektive im Umgang mit den Phänomenen der Parallelwelt eröffnet, womit die story eine unerwartete Wendung nimmt. Diese Idee, der Handlung mitten im 2. Band, nochmal eine neue Richtung zu geben, ist mir zwar einerseits sehr aufgefallen, aber andererseits wurde der Roman dadurch wieder interessant. Ich hatte mich nämlich vorher etwas gelangweilt.
Das größte Manko ist für mich, dass der zweite Band nicht auf dem ersten aufbaut. Um nicht zu viel zu verraten, schreibe ich hier nur: Es ist in den ersten 27% / 79 Seiten als hätte es das Ende des ersten Bands nie gegeben. Dann aber wiederholt Leisten von S.79 / 27% – S. 84 / 29% das Ende des ersten Bands. Warum auch immer die Autorin es für nötig befand, uns so viele Seiten noch ein zweites mal lesen zu lassen, baut sie anschließend trotzdem nicht darauf auf. Entweder ist ihr Plott so hoch kompliziert, dass ich ihn nicht durchschaue oder sie hat schlicht und ergreifend Probleme mit der logischen Stringenz. Aber ob nun so oder so, ist es für mich ein dicker Minuspunkt.
Genervt hat mich in diesem Band auch das Hin- und Hergespringe durch die Zeiten, durch Lilous verschiedene Leben, zumal in Lilous Träumen und Hypnosesitzungen im Jahr 2006 auch immer wieder ein lange vergangenes Leben, im 16. Jhd., thematisiert wird. Mein Lob sowie meine Kritik an Lilous Sexualität trifft hier ebenso zu wie auf den erste Band, weshalb ihr sie in meiner letzten Rezension lesen könnt. Ich denke, wenn Band 1+2 ein Buch wären, hätte es mir etwas besser gefallen. Im Endeffekt werde ich den dritten Band nicht mehr lesen und zukünftig immer erst Band 1 komplett lesen, bevor ich die Fortsetzung kaufe.

Wie der Wind die Liebe fand

​Nina Leisten : Wie der Wind die Liebe fand

Das Buch wurde (mehrfach) empfohlen, – leider weiss ich nicht mehr wo und von wem – hat auch auf amazon überwiegend gute Kritiken und ich bin eine Anhängerin davon, Selfpublisher zu unterstützen. Nina Leistens Grundgedanken zu dieser story mochte ich auf Anhieb. Es gibt eine Parallelwelt zu der uns bekannten Menschenwelt, ein Leben nach dem Tod, einen Sinn des Lebens und die immer wiederkehrende Frage „Was wäre wenn…?“. Die Seele wird in einen Menschen hineingeboren und muss in jedem Menschenleben eine Bestimmung erfüllen. Das Schicksal führt den Seelen immer wieder den Sinn ihres Lebens vor Augen. Wenn diese Lebensaufgabe erledigt ist, sterben die Seelen mit dem Menschen eines natürlichen Todes, werden wieder in einen Menschen hineingeboren und müssen wieder eine Bestimmung erfüllen. … Das ist der (Kreis-)Lauf des Lebens. Wenn die Seele durch einen unnatürlichen Tod zu früh gestorben ist, bevor sie ihrer Bestimmung nachkommen konnte, landet sie in einer Parallelwelt, der Seelenwelt. Dort haben die Seelen durch ein kompliziertes Verfahren die Möglichkeit, Informationen über ihre Bestimmung zu erhalten. Es gibt auch bestimmte Möglichkeiten, die versäumte Erfüllung der Bestimmung nachzuholen und dadurch wieder in den Kreislauf des Lebens zurückzukehren. Wie das genau funktioniert, ist mir hier zu kompliziert zu erklären, zumal ich auch nicht zu viel spoilern will.
Die Hauptperson, Lilou, ist eine tausendjährige Seele, die in ihrem letzten Leben leider so früh gestorben, dass sie kaum eine Chance hat, herauszufinden, was ihre Bestimmung war/ist. Daher hängt sie seit knapp 20 Jahren in der Parallelwelt fest.
In einem zweiten Handlungsstrang wird es romantisch und erotisch. Irgendetwas läuft zwischen der Menschen- und der Seelenwelt schief oder zumindest zwischen zwei Personen – einem Menschen, namens Ford und der Seele, Lilou. Kein Mensch kann eine Seele sehen, ausser Ford. Die beiden ungleichen ProtagonistInnen verlieben sich ineinander. Aber es gibt auch Gegner dieser Romanze – Mächte, die versuchen den Fehler zu korrigieren. Lilou will um ihre Liebe kämpfen… Aber ist sie nicht von vornherein zum Scheitern verurteilt?
Mir hat die Art, wie Leisten ihre ProtagonistInnen miteinander umgehen lässt sehr gut gefallen. Zum einen fand ich die meisten Charaktere sympathisch und zum anderen sprachen mich die Interaktionen sehr an. Da war ich, als lesende Zuschauerin, einfach gerne dabei. Dementsprechend war ich eine zeitlang sehr überzeugt von dieser Story und habe – vorschnell – den sehr niedrigpreisigen Band 2, „Wie der Wind verloren ging“, bestellt. Auch gefallen hat mir, dass Lilou eine sehr aktive und starke Sexualität zugeschrieben bekommt, weil dies bei Frauen leider immer noch höchst selten der Fall ist. Sie äussert oft ein starkes Begehren, fordert den Sex aktiv ein und genießt ihn sehr. Hier dann auch der eindeutige Hinweis auf Erotik, die den Roman zu einem Erwachsenen-Roman macht.
Kritik:
Nicht gefallen hat mir die masochistische bis devote Art Lilous beim Sex. Unglaublich bis unrealistisch, aber vor allem sind einige Sexszenen unangenehm zu lesen, so dass mir manchmal direkt anders wurde.
Ebenfalls nicht gefallen hat mir Lilous Brief-Tagebuch für Ford, weil ich es als infantil bis peinlich empfunden habe.
Eindeutig missfallen hat mir auch das Ende. Zwar tritt nochmal eine überraschende Wende ein, aber damit ist auch ein so extremer Cliffhanger geschaffen, dass von Ende eigentlich nicht die Rede sein kann. Ein offenes Ende an sich ist schon „so eine Sache“, aber dieses Ende ist eher ein abrupter Abbruch. Spätestens jetzt wisst ihr, dass ich umter’m Strich doch nicht so angetan oder wenigstens zufrieden mit dem Roman bin, und ich will euch nicht verheimlichen, dass ich über meinen vorschnellen Kauf des zweiten Bands verärgert war. Von daher auch hier keine Empfehlung. Die Idee und Thematik, das Setting und die Interaktionen sind zwar interessant und schön, aber die weitere Ausführung hat mir nicht so gefallen.

Glücklich ohne Geld

wpid-img_20150125_201314.jpgRaphael Fellmer : Glücklich ohne Geld
Heute möchte ich euch ein besonderes Buch vorstellen. Zum einen handelt es sich um ein wahnsinnig interessantes Thema und zum anderen ist das Buch kostenlos erhältlich.
Es geht hier nicht nur um einen alternativen Lebensentwurf, bzw.- versuch eines extrovertierten Weltverbesserers, sondern um den uns alle betreffenden Themenkomplex von Konsumwahnsinn, Verschwendung, Umweltzerstörung, natürlich auch um Nachhaltigkeit. Wir leben in dieser Welt und benehmen uns, als würden wir den Ast absägen auf dem wir sitzen, als würden wir die Hand beissen, die uns füttert. Das Sachbuch enthält interessante Denkanstöße, Fakten, Erklärungen, Verweise und Reiseberichte.
Raphael Fellmer hat von 2010-2015 im Geld- und Konsumstreik gelebt. In seinem Buch berichtet Fellmer von seinem Leben ohne Geld, wie es täglich abläuft… Ernährung, wohnen, Fortbewegung, Kleidung, reisen. Er reist ohne Geld um die Welt – Holland, Atlantik, Brasilien, Zentralamerika, Mexiko und wieder zurück nach Deutschland. Seine Reisebrichte fand ich extrem interessant. Er hat wirklich interessante Dinge erlebt. Er erklärt auch Einiges, z.B. den ökologischen Fußabdruck als Maßeinheit für Umweltbelastung, von dem ich zuvor noch nichts gehört hatte. Alles, was wir tun, hinterlässt eine Spur; eben den ökologischen Fußabdruck. Es geht ihm darum, bei möglichst vielen Menschen das Bewusstsein für die Zusammenhänge von permanentem Konsum, Verschwendung und Umweltzerstörung zu wecken. Ausserdem wollte er natürlich auch Gleichgesinnte finden. Besonders die Lebensmittelverschwendung stand für ihn im Fokus, weshalb er viel Containern (=Mülltauchen) war und die Organisation foodsharing mit und für LebensmittelretterInnen gegründet und aufgebaut hat. Gemeinsam mit anderen FoodsaverInnen hat er Lebensmittelgeschäfte, Hotels und andere Gastronomen… akquiriert, bei denen übrig gebliebene Lebensmittel vor dem Mülleimer gerettet werden konnten, in dem sie abgeholt wurden. Die LebensmittelretterInnen haben Stützpunkte aufgebaut, die sie Fairteiler nennen, sog öffentliche Kühlschränke, in die abgeholte Lebensmittel gelegt werden, damit wieder andere Leute sich dort bedienen können. Eine sehr empfehlenswerte Sache; schaut euch die Webseite mal an.
Fellmer hat Ende 2015 in seinem Blog berichtet, den Geldstreik zu beenden, weil er keine Wohnung für seine vierköpfige Familie gefunden hat, und ihm die Wohnung und die damit verbundene Ruhe für die Familie wichtiger ist. Aber auch bevor er diesen Post veröffentlichte, war ich der Meinung dass seine Art nicht tragfähig ist. Denn er war immer darauf angewiesen entweder Geschenke zu bekommen oder etwas im Müll zu finden. Stellen wir uns aber mal vor, immer mehr Menschen betreiben diese Art des parasitären Konsumboykotts; dann wird es gleichzeitig immer weniger Menschen geben, die etwas wegwerfen oder verschenken. Spätestens dann muss ein neues Konzept her. Außerdem boykottiert er den Konsum und die Geldwirtschaft nicht wirklich, wenn er sich bei KonsumentInnen „auf die Tasche legt“. Er zahlt zwar kein Geld, wenn er in fremden Autos mitfährt, aber ohne die AutofahrerInnen wäre er auf seinen Reisen nicht weit gekommen und ohne Boote hätte er niemals über den Atlantik geschafft.
Sehr gestört hat mich seine Schreibe. Er hat so eine euphorische Art der Überhöhung, die schon unangenehm religiös anmutet. Für ihn steckt die Welt voller Liebe, voll von dem beachtenswertem Naturwunder der Liebe, für das er zutiefst dankbar ist. Er wird nicht müde, sich immer wieder in euphorischen Schilderungen über die Liebe, sein Glück und seiner Dankbarkeit zu ergehen. Diese Art hat mich extrem gestört und war der Grund, die Lektüre abzubrechen.
Auch einige der Rezensionen bei amazon habe durchgelesen und mich dabei gut amüsiert. Dabei habe ich mit den kritischen Buchrezensionen, die nur einen Stern vergeben haben, begonnen. Ich habe mindestens drei mal laut gelacht, als ich die ersten 10 Beitäge gelesen habe. Hier also mal ganz klar eine Empfehlung der Sekundärliteratur. Aber da das Buch kostenlos downzuloaden ist, könnt ihr es einfach mal anlesen und euch dann eine eigene Meinung bilden. Das schadet ja nicht.